Deutsch-dänisches Freundschaftsjahr

Wo die Kirche Grenzen überwindet

Vor 100 Jahren stimmten Dänen und Deutsche über die gemeinsame Grenze ab. Zum Jubiläum finden viele kirchliche Veranstaltungen statt – mit Bischöfen aus beiden Ländern.

Gemeinsam unterwegs: Wie auf dem Flensburger Friedensweg wollen Pröpstin Carmen Rahlf, Bischof Gothart Magaard und Bischöfin Marianne Christiansen (vorn, v.l.) mit Propst Viggo Jacobsen, Bischof Elof Westergaard und Senior Matthias Alpen (hinten, v.l.), das gute Miteinander im Grenzland fördern

von Thorge Rühmann

Flensburg. Die Landesregierung Schleswig-Holsteins hat das Jahr 2020 zum „Deutsch-dänischen Freundschaftsjahr“ ausgerufen. Beiderseits der Grenze finden in den kommenden Wochen und Monaten zahlreiche Veranstaltungen statt, die Gemeinsames ebenso wie Unterschiedliches zwischen den Bürgern der beiden Länder in den Fokus rücken sollen.

Auch die vier Kirchen in der Region beteiligen sich intensiv daran: Dazu zählen die dänische „Folkekirke“, die Nordkirche sowie die Kirchen für die dänische Minderheit, „Dansk Kirke i Sydslesvig“, und die Nordschleswigsche Gemeinde für die deutsche Minderheit nördlich der Grenze. Zum Auftakt finden zwei Gottesdienste statt: am Sonntag, 9. Februar, in Apenrade und am 15. März in Flensburg.

An beiden Tagen werden Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, Bischöfin Marianne Christiansen vom dänischen Bistum Hadersleben und Elof Westergaard, Bischof im dänischen Ribe, vor Ort sein. Sie sollen daran erinnern, dass am 10. Februar 1920 Nordschleswig darüber abstimmte, ob es weiter zum Deutschen Reich oder zu Dänemark gehören sollte. Am 14. März 1920 folgten Mittelschleswig und Flensburg. 75 Prozent der Wähler in Nordschleswig stimmten für Dänemark, 80 Prozent in Mittelschleswig für Deutschland.

Auf gutem Weg

Die Abstimmung sei die Geburtsstunde der beiden Minderheiten gewesen, so Magaard. Und deren Beziehung sieht er auf einem guten Weg: „In den letzten 25 Jahren konnten große Schritte aufeinander zu in die Wege geleitet werden, deren Früchte wir heute ernten können.“ Die Zusammenarbeit beider lutherischen Kirchen sei selbstverständlich geworden, es sei eine Gemeinschaft über die Grenze hinweg entstanden. Das gute Miteinander wolle man nun stetig weiterentwickeln.

Aus der Begegnung erhofft sich der Bischof, manches übernehmen zu können: „Von den dänischen Nachbarn können wir bei Projekten beispielsweise aus der Konfirmandenarbeit oder der Trauer­arbeit lernen“, so Magaard. Auch den Umgang mit kirchlichem Gesang erlebt er bei den dänischen Gemeinden „als viel selbstverständlicher und unbefangener“. Von Hürden wie der Wiedereinführung von Grenzkontrollen auf dänischer Seite wolle man sich nicht zu stark beeinflussen lassen, so Magaard: „Viel wichtiger, als die äußeren Grenzen zu überwinden, ist es, keine inneren Grenzen entstehen zu lassen.“

Brückenbauer zwischen Nationalitäten

Der Südschleswiger Propst Hasse Neldenberg Jørgensen sieht das ähnlich. „Wenn wir als Nachbarn miteinander reden, kann man viel lernen. Es ist immer eine Inspiration! Wichtig ist, dass beide Kirchen stets in Bewegung sind.“ Als Herausforderung wertet Jørgensen den Sprachunterschied: „Deutsche im Grenzland sprechen oft kein oder nur wenig Dänisch. Und leider ist die deutsche Sprache seit Jahren im dänischen Schul­unterricht von immer geringerem Interesse.“

Matthias Alpen, als „Senior“ eine Art Propst in der Nordschleswigschen Gemeinde, sagt: „Wir haben seit vielen Jahren gute Beziehungen über die Grenze hinweg. Als Kirche in der deutschen Minderheit verstehen wir uns als Brückenbauer zwischen den Nationalitäten.“ Als Beispiel nannte der Theologe die Pastoratsabende in Süderlügum. „Dort kommen seit zehn Jahren regelmäßig rund 50 Menschen aus beiden Gemeinden zusammen. Wir singen dann gemeinsam deutsche und dänische Lieder, üben die Melodien und Texte der anderen“, so Alpen: „Im Grunde lernen wir dabei, voneinander zu lernen.“

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