Bischofstochter Friederike Magaard tritt ihre erste Pastorenstelle an

„Wir tauschen uns gern aus“

Eine Bischofstochter ist jetzt Pastorin: Friederike Magaard kennt die Weihnachtspredigten ihres Vaters Gothart vor allen anderen – ist aber vor allem selbst begeisterte Theologin.

Friederike Magaard im Gemeindezentrum Engelsby

von Nadine Heggen

Flensburg. Wenn die Norddeutschen ihren Namen hören, denken sie zuerst an ihren Vater: Pastorin Friederike Magaard hat am 1. Juni in Flensburg ihre erste Pfarrstelle angetreten. Damit gehört sie zum Sprengel von Bischof Gothart Magaard, ihrem Vater. Einen Konflikt sieht sie darin nicht. „Das empfinde ich als großes Geschenk“, sagt sie.

Im Garten des Pastorats in Flensburg-Engelsby blühen die Rosen und summen die Bienen. Mit ihrem Partner Jan-Philipp Behr teilt Friederike Magaard nicht nur den Beruf, sondern auch die Leidenschaft für die Imkerei. „Nach unserem Theologie-Studium in Göttingen wollten wir gemeinsam in den Norden“, sagt die 30-Jährige. In der Anschar­gemeinde und der Vicelingemeinde in Neumünster absolvierte das Paar sein Vikariat. Jetzt ist er Pastor in Glücksburg. Sie ist ab September mit zwei weiteren Pastoren für den künftigen Pfarrsprengel Adelby-Engelsby zuständig.

Glaube schwang immer mit

Den Norden kennt Friederike Magaard gut. Mit ihren drei Geschwistern wuchs sie in Preetz im Kreis Plön auf. Ihr Vater war damals noch Direktor am dortigen Prediger- und Studienseminar. „In meinem Elternhaus war der Glaube an Gott Teil unseres Alltags. Nicht unbedingt im Vordergrund, aber er schwang immer mit und gab festen Halt.“ Zu kirchlichen Festen lasen ihre Eltern aus der Bibel vor. Gründonnerstag gab es grünes Abendessen: Erbsensuppe und Trauben.

Friederike Magaard auf der Terrasse des Pastorats Foto: Nadine Heggen

Als Zehnjährige ging sie zu den evangelischen Pfadfindern in Preetz und blieb bis zum Abitur. Der Pastorenberuf war dennoch keine logische Folge. Auch medizinische Berufe kamen infrage. „Letztlich zog es mich aber zu den großen Fragen des Lebens.“

Ihr Vater hielt sich aus ihren Überlegungen raus und beriet sie erst, nachdem sie sich für ein Theologiestudium entschieden hatte. „Wir haben gemeinsam überlegt, bei welchen Unis ich mich bewerbe.“ Während ihres Studiums war es ihr wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen. Mit Physikstudenten besichtigte sie ein Atomkraftwerk, ein paar Semester studierte sie Englisch auf Lehramt.

Bei den „Grünen Damen“

Im Göttinger Uniklinikum testete Friederike Magaard bei den „Grünen Damen“ ihre seelsorgerischen Fähigkeiten. An einem Tag in der Woche besuchte sie Krebspatienten. „Das war eine gute, aber auch kräftezehrende Zeit.“ Nach dem wöchentlichen Nachmittag auf der Station war es für die angehende Pastorin gut, die restliche Woche Abstand gewinnen zu können. „Ich hab gemerkt, dass ich Seelsorge im Krankenhaus – zumindest zu dem Zeitpunkt – nicht hauptberuflich in Vollzeit machen möchte.“

Die Frage nach dem Vater

In Neumünster lernte die Theologin die Vielfalt des Gemeindelebens zu schätzen. Besonders die Bildungsarbeit mit Kindern und Jugend­lichen machte ihr Spaß. In ihrer neuen Gemeinde will sie diesen Sommer eine Predigtreihe über ungewöhnliche Jesus-Darstellungen anbieten. „Die Gemeinden probieren gerade viele neue Formate aus, um auch andere Zielgruppen anzusprechen. Das macht mir Mut für die Zukunft unserer Kirche.“

Natürlich sprechen viele Menschen sie bei der ersten Begegnung auf ihren Vater an. „Schnell spielt das aber keine Rolle mehr, und die Menschen sind daran interessiert, mich kennenzulernen.“ Am 6. Juni hat ihr Vater sie in seinem Amt als Bischof mit fünf anderen Vikaren zusammen in der Rendsburger Christkirche in den Pastorendienst berufen. Dass sie auch dienstlich mit ihrem Vater zu tun hat, stört Friederike Magaard nicht. „Schon im Studium gab er mir seine Weihnachtspredigten zu lesen und fragte mich nach meiner Meinung. Wir tauschen uns gern miteinander aus.“ Außerdem sei ja auch die Flensburger Pröpstin Carmen Rahlf ihre direkte Vorgesetzte. Und nicht der Bischof.

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