Unesco-Welterbestätte Stralsund und Wismar

„Wir sind Welterbe der Menschheit“

Die Hansestädte Stralsund und Wismar feiern in diesem Jahr 20 Jahre gemeinsame Unesco-Welterbestätte "Historische Altstädte Stralsund und Wismar". Anlass für die Unesco, ihren bundesweiten Welterbetag am 5. Juni in Wismar zu eröffnen.

Stralsund mit der Nikolaikirche sieht auch aus der Luft schön aus

von Nicole Kiesewetter

Wismar / Stralsund. Prachtvolle Giebelhäuser, Klosteranlagen, Rathäuser und Kirchen belegen den im Seehandel erworbenen Reichtum von Wismar und Stralsund im 14. Jahrhundert. Bis heute sind die historischen Altstädte Aushängeschild der beiden Hansestädte. Vor 20 Jahren, am 27. Juni 2002, waren sie in Budapest in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen worden.

„Dabei wären die Altstädte Ende der 1980er Jahre beinahe verloren gewesen“, sagt Alexander Badrow (CDU), Oberbürgermeister von Stralsund. Bedingt durch die sozialistische Mangelwirtschaft und den Wunsch nach einer neuen sozialistischen Gestaltung der Innenstädte, waren zu DDR-Zeiten eine Vielzahl von schützenswerten Objekten dem Verfall preisgegeben.

500 Einzeldenkmale

Denkmalpfleger Gottfried Kiesow, der 1985 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) gegründet hatte, habe dann die Idee zur Welterbe-Nominierung gehabt. „Die Anerkennung war ein Meilenstein auf dem Weg zur Stadterneuerung“, so Badrow. Heute gebe es allein in Stralsund über 500 Einzeldenkmale, ein Teil davon noch aus der Zeit der Stadtgründung im Jahr 1234.

Die wieder errichtete St. Georgenkirche in Wismar Foto: Hanjo Volster / epd

Mit dem Welterbetitel seien beide Städte international bekannter geworden, sagt Wismars Oberbürgermeister Thomas Beyer (SPD). Heute kämen Touristen aus aller Welt, um unter anderem die großen gotischen Backsteinkirchen wie St. Georgen und St. Nikolai in Wismar oder St. Marien und St. Nikolai in Stralsund zu bestaunen. Beyer: „Wir sind Welterbe der Menschheit.“

Bereits 2001 hatten Wismar und Stralsund zusammen die Deutsche Stiftung Welterbe gegründet. Sie fördert die Aufnahme unterrepräsentierter Stätten außerhalb Deutschlands in die Welterbeliste. Bisher seien 22 Projekte in 16 Ländern gefördert worden, darunter Nepal, Aserbaidschan, Mongolei, Kuba, Chile und Namibia. Dies sei ein Beitrag zur Friedensarbeit der Unesco: „Auf diese Weise können wir die Welt ein wenig besser machen“, so Beyer.

Buntes Bühnenprogramm

Mit einem bunten Bühnenprogramm wird der bundesweite Unesco-Welterbetag am 5. Juni (Pfingstsonntag) in Wismar eröffnet. Ein „Welterbe-Markt“ auf dem Marktplatz bietet ab 11 Uhr Live-Musik und Informationsstände. In Stralsund spielt am 6. Juni (Pfingstmontag) um 17 Uhr das „Europäische Hanse-Ensemble“ im Rahmen des Jubiläums in der Nikolaikirche. Das Konzert will das „musikalische Erbe der Hansezeit wieder zugänglich machen“. Auf dem Programm stehen Werke von Komponisten um 1600.

Zum Unesco-Welterbetag am Sonntag öffnen die Welterbestätten in Deutschland ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Mit rund 250 Sonderführungen, Ausstellungen, Konzerten, Podiumsdiskussionen, digitalen Angeboten und Mitmach-Aktionen stünden in diesem Jahr so viele Veranstaltungen auf dem Programm wie noch nie, kündigten die Deutsche Unesco-Kommission und der Verein Unesco-Welterbestätten an. 47 der 51 deutschen Welterbestätten beteiligten sich.

Jedes Jahr im Juni

Der Welterbetag wird seit 2005 jährlich am ersten Sonntag im Juni begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „50 Jahre Welterbekonvention: Erbe erhalten – Zukunft gestalten“ und erinnert damit an das 1972 von den Unesco-Mitgliedsstaaten verabschiedete Übereinkommen zum Schutz des Natur- und Kulturerbes der Welt. Weltweit gibt es heute 1.154 Unesco-Welterbestätten in 167 Ländern, 51 davon in Deutschland. (epd)

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