Interview mit Pastor Eckhard Altemüller

„Wir sind hier Insulaner“

Von Greifswald über Frankreich nach Fürstenberg/Havel - im Interview erzählt Pastor Eckhard Altemüller über Vertrautes und neue Herausforderungen.

Pastor Eckhart Altemüller arbeitet im Kirchenkreis Mecklenburg, Fürstenberg gehört aber zum Land Brandenburg.

von Nicole Kiesewetter 
Von Pommern nach Frankreich und zurück nach Mecklenburg: Nach sieben Jahren als Pastor im nordfranzösischen Lille, hat Eckhart Altemüller im vergangenen Sommer die Pfarrstelle in Fürstenberg an der Havel übernommen. Nach gut einem Jahr Amtszeit sprach Nicole Kiesewetter mit dem 56-jährigen über Vertrautes und neue Herausforderungen.

Herr Altemüller, nach sieben Jahren im Ausland, wie war das Ankommen in Fürstenberg?

Angekommen sein – genau das Gefühl hatte ich sofort. Es gab für mich keine großen Umstellungsschwierigkeiten. Alle haben meiner Frau und mir das Gefühl vermittelt: Schön, dass Sie da sind. Manche waren vielleicht etwas zurückhaltend-skeptisch, warum jemand von Frankreich nach Fürstenberg kommt. Aber manche waren wohl auch etwas stolz darauf. Ich weise gern darauf hin, dass grundsätzlich doch auch vieles ähnlich ist: Ob Sie in Frankreich oder der Schweiz oder in Deutschland leben: Gottesdienst ist sonntags um 10 Uhr.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Gemeinde in Frankreich.

Ich war in der Region Nord-Normandie-Champagne, also von Cherbourg bis Reims und von Calais bis an den Stadtrand von der Region Paris einer von 25 Pfarrerinnen und Pfarrern. Katecheten und Musiker arbeiten dort ehrenamtlich. In der Kirchengemeinde Lille centre waren zwei Pfarrstellen auf 770 eingetragene Kirchenmitglieder in einem Umfeld von rund 1,5 Millionen Einwohnern. Damit war Lille die drittgrößte Kirchengemeinde in der Region.

Das klingt doch nach guten Arbeitsbedingungen. Warum haben Sie Lille verlassen?

Nachdem ich dort einige Jahre Aufbauarbeit in der Gemeinde geleistet habe, habe ich eine neue Herausforderung gesucht, eine Aufgabe, für die ich gebraucht werde.

So wie 2008, als Sie Ihre Pfarrstelle in Greifswald-Wieck verließen, um nach Frankreich zu gehen?

Greifswald war eine spannende Zeit. Ich hatte eine 70-Prozent-Pfarrstelle und eine 30-Prozent-Anstellung im Institut für Kirchenmusik. Das eine war mein Standbein, das andere mein Spielbein. Damals hatten einige von uns Pfarrern die Vision, wenn Kirche sich besser aufstellt, können wir eine Trendwende dagegen erreichen, dass wir weniger werden. Uns schwebte ein engerer Zusammenschluss der Gemeinden vor, das sollte Synergie-Effekte frei setzen. Aber die Zeit war damals noch nicht reif. Aber für mich war es Zeit, zu gehen.

Warum nun von Lille gerade nach Fürstenberg?

Meine Frau und ich hatten für uns selbst ein paar Bedingungen formuliert. So sollte alles fußläufig erreichbar sein. Ein Bahnhof war ein Parameter: man muss ankommen können. Und wir wollten in einem Pfarrhaus wohnen. Dazu kommt die räumliche Nähe zu Berlin. Dort gibt es auch für meine Frau internationale Kulturangebote.

Konnten Sie in Fürstenberg schon eigene Akzente setzen?

Es dauert natürlich seine Zeit, bis man seine neue Gemeinde kennengelernt hat. Dazu habe ich die Vakanz-Vertretung in Rödlin-Wabende. Aber wir haben vor Weihnachten schon einen
lebendigen Adventskalender veranstaltet und ich biete offene Abende an. Durch meine Tätigkeiten an verschiedenen Orten kenne ich einige interessante Menschen, die ich nun nach Fürstenberg einlade.
Theologisch besteht die Herausforderung darin, unsere alten Texte immer wieder neu zu buchstabieren, damit wir als Kirche für die Menschen verständlich bleiben oder wieder werden. Insgesamt habe ich in dem zurückliegenden Jahr gesehen, was ein mecklenburgischer Landpastor zu leisten hat.

Sie sagen, die Kirchenmitglieder in Fürstenberg seien mecklenburgische Insulaner…

Dadurch, dass wir verwaltungstechnisch zu Brandenburg gehören, gibt es hier in vielen Bereichen eben auch brandenburgische Strukturen, denken Sie nur an den Bereich der Schulen oder – im kirchlichen Bereich – an die Diakonie. Ich muss mir überlegen, wie unsere Gemeinde von der Insel ´runter kommt. Das sehe ich einige Anknüpfungspunkte im Bereich des Tourismus. Außerdem denke ich über eine Zusammenarbeit mit der Diakonie nach. Diakonie und Kirche sollten hier wieder enger zusammen rücken. Das schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern gibt Kirche auch wieder ein wahrnehmbareres Gesicht.

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