Einsichten – die christliche Kolumne

Willkommen!

Über Gäste im Hause Gottes schreibt Johanna Levetzow. Sie ist Pastorin in Bützow (Mecklenburg-Vorpommern).

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein.“ aus 1. Korinther 14, 1-25

Meine Burg hatte viele Zimmer. Die Lego-Burg von meinem Bruder und mir. Da gab es einen Turm mit Ofen, für den Winter. Einen großen Speisesaal. Einen Stall für die Pferde. Und es gab einen Burgturm, da war das Gespenst versteckt. Wenn wir an der Burg gebaut haben, haben wir geträumt, welches Zimmer wir am liebsten bewohnen würden. Damit wir uns wohlfühlen.

In Mecklenburg, in unseren Kirchengemeinden, gibt es Kirchen, mal größer und mal kleiner als Ritterburgen. Sie sind auch das Zuhause der Gemeinde. Und das Haus Gottes. Gott wohnt zwar zum Glück nicht nur in der Kirche. Aber er lädt uns hierher ein. Paulus schreibt davon, wie es ist, als Gast in einer Runde nichts zu verstehen.

Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein…

Ein leichtes Zelt

Was braucht es, damit Menschen sich eingeladen fühlen? Dass sie nicht vor Burgtoren der Rätselhaftigkeiten stehen, wenn es sie in Kirchen verschlägt oder sie Gottesdienste besuchen?

Ein herzliches Willkommen, eine offene Tür. Und vor allem: Es braucht Worte, die alle verstehen. Auch die Gäste, die zum ersten Mal da sind. Egal ob jung oder alt, Schulkind oder Rentnerin, ob fern ob nah, ob drei Schlucke beim Abendmahl oder keinen, ob Nasen- oder Ehering.

Das Haus Gottes hat viele Zimmer. Und zuweilen ist es bloß ein leichtes Zelt. Da gibt es für alle etwas. Den freien Himmel. Einen großen Speisesaal für die Geselligen. Den Blick vom Aussichtsturm der Hoffnung in die Weite, das Gespenst, das uns immer wieder aufscheucht, und den Raum für unsere Geheimnisse und unsere Geschichten.

Unsere Sprache kann Vieles. Allerdings muss auch sie hin und wieder auf ihre heruntergelassenen Zugbrücken, auf offene Toren und Türe überprüft werden.
Damit wir mit Gästen rechnen können. Immer.

Unsere Autorin
Johanna Levetzow ist Pastorin in Bützow (Mecklenburg-Vorpommern).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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