Corona-Krise

Wie sich Straßenmagazine im Norden um ihre Verkäufer sorgen

Das Kieler "Hempels" plant eine Doppelausgabe. Das niedersächsische "Asphalt" reagiert am schnellsten. Und auch "Hinz&Kunzt" aus Hamburg hat inzwischen Konsequenzen gezogen.

Bild der Vergangenheit: Hinz&Kunzt-Verkäufer mit Kundschaft (Archiv)

von Julia Fischer und Karen Miether

Hamburg/Kiel. Angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen hat das Hamburger Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ den Zeitungsverkauf gestoppt. „Da die meisten Hinz&Künztler zur Risikogruppe gehören, zieht das Projekt jetzt die Notbremse“, teilte Geschäftsführer Jörn Sturm mit. „Schweren Herzens haben wir uns heute entschieden, den Vertrieb unseres Magazins vorläufig einzustellen“, sagte er. Die größte Sorge sei, dass sich die Verkäufer an ihrem Verkaufsplatz anstecken.

Bislang hatte das Straßenmagazin versucht, den Betrieb mit Kleinstbesetzung aufrecht zu halten. Seit ein paar Tagen wurden die Zeitungen nur noch durchs Fenster abgegeben. Um die Hinz&Künztler zu unterstützen, bekamen alle zehn Zeitungen täglich geschenkt.

Allerdings werde nur der Verkauf der Printausgabe eingestellt. Die Redaktion arbeite derzeit von zuhause aus, sei aber weiterhin voll arbeitsfähig und bereite die Aprilausgabe vor. „Wenn wir nicht auf Papier erscheinen können, dann wenigstens als Online-Magazin“, sagte Chefredakteurin Birgit Müller. Recherchiert und kommuniziert werde verstärkt über die eigene Homepage und soziale Medien.

Sozialarbeit geht weiter

Auch die Sozialarbeit bleibe telefonisch ansprechbar und versuche in dieser schwierigen Situation, Unterstützung zu leisten. „Wir hoffen, dass die Stadt schnellstmöglich die Grundversorgung für Obdach- und Wohnungslose sicherstellt“, sagte Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Das bedeutet eine medizinische Versorgung für alle Obdach- und Wohnungslosen und Unterkunftsplätze verteilt auf die ganze Stadt, um die Ansteckungsgefahr für alle so gering wie möglich zu halten.“

In der kommenden Zeit werde „Hinz&Kunzt“ extrem auf die Unterstützung und die Solidarität der Hamburger angewiesen sein, sagte Geschäftsführer Sturm. Derzeit werde an einer Methode getüftelt, wie die Verkäufer an den Spenden für die Zeitung beteiligt werden können – damit sie nicht leer ausgehen.

Suppenküche im Betrieb

Auch das Kieler Straßenmagazin „Hempels“ macht sich Sorgen um seine Verkäufer. Alle litten unter drastischen Verkaufsausfällen, heißt es auf www.hempels-sh.de. „Ihnen droht ihre bescheidene wirtschaftliche Existenz völlig wegzubrechen.“ Die Suppenküche arbeite derzeit wie gewohnt weiter, das Kieler Café „Zum Sofa“ sowie die Trinkräume in der Innenstadt und in Gaarden wurden vorübergehend geschlossen.

Die Redaktion arbeite im „home-office“ weiter. Angesichts der Gesamtsituation werde aber die kommende „Hempels“-Ausgabe eine Doppelausgabe für die Monate April und Mai sein. Und sie kann voraussichtlich erst ab Mitte April erscheinen.

Verkauf eingestellt

Das niedersächsische Straßenmagazin „Asphalt“ hat bereits vor zwei Tagen vorübergehend den Verkauf eingestellt. Das Magazin wird unter anderem von Wohnungslosen und Langzeitarbeitslosen verkauft, die vom Erlös einen Anteil bekommen. Weil diese Einnahmen jetzt wegbrechen, bittet Asphalt-Geschäftsführer Georg Rinke um Unterstützung. „Die Verkäuferinnen, Verkäufer und wir sind jetzt noch mehr als sonst auf Ihre Solidarität angewiesen.“ Asphalt ersetze den Verkäufern die entgangenen Einnahmen so gut es gehe, sagte er.

Unter anderem würden Einkaufsgutscheine herausgegeben. Doch Asphalt lebe ausschließlich vom Verkauf der Hefte und von Spenden. Das Projekt bekomme weder vom Staat noch von der Kirche Geld. „Jeder Spenden-Euro zählt jetzt“, appellierte Rinke. (epd)

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