Synode

Wie sich Kirche in der Großstadt engagiert

„Kirche und Stadt“ lautet das Thema einer Synode. Es geht um das Engagement von Gemeinden, das künftig schneller wachsen soll.

Der Michel mitten in Hamburg: Wie sollen sich Gemeinden in der Metropole engagieren?

von Timo Teggatz

Hamburg. Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal veranstalten die beiden Evangelisch-Lutherischen Hamburger Kirchenkreise eine gemeinsame Synode. Zusammen wollen die Synodalen am Dienstag, 2. Februar, über das Thema „Kirche und Stadt“ diskutieren – und zwar ausführlich. Fünf Stunden sind dafür vorgesehen, Arbeitsgruppen inklusive.
Wie wichtig den Kirchenkreisen die Synode ist, zeigt auch ein Blick auf die Gästeliste. Neben Vertretern von kirchlichen Diensten und Werken haben auch drei Prominente bereits zugesagt. Bürgermeister Olaf Scholz wird ebenso vor den Kirchenparlamentariern sprechen wie Joachim Lux, der Intendant des Thalia-Theaters. Auch die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs hält einen Impulsvortrag.

Manchmal hilft ein kleiner Hinweis

Inhaltlich soll es um die Frage gehen, wie kirchliche Arbeit in der Großstadt Hamburg aussehen soll und wo Möglichkeiten liegen, das Engagement von Gemeinden zu verbessern. Dabei fängt die Kirche in Hamburg keineswegs bei null an, denn seit drei Jahren gibt es das Projekt „Die Stadt mitgestalten“, das Frank Düchting von der Evangelischen Akademie der Nordkirche leitet. Die Synode ist der Schlusspunkt des Projekts, zu dem eine Bilanz gezogen werden soll.
Um das Engagement zu erfassen, ist Düchting von Gemeinde zu Gemeinde gegangen und hat sich ein Bild gemacht. Er hat jenen geholfen, die sich engagieren wollten, aber überhaupt nicht wussten, wie sie das machen sollten. „Es ging oft darum, den Helfern die entsprechenden Kontakte zu vermitteln“, sagt Düchting. Manchmal reiche schon ein Hinweis, dass Gemeinden in der Nachbarschaft sich einem ähnlichen Thema widmen und ihr praktisches Wissen gern weitergeben würden. Von den 126 Hamburger Gemeinden engagieren sich laut Frank Düchting etwa 50. Die Zahl steigt, aber nur langsam, denn „ein solcher Prozess braucht Zeit“.

Auch die Gemeinde profitiert

Wie gute ehrenamtliche Arbeit von Gemeinden aussehen kann, hat Düchting im Buch „Den Stadtteil mitgestalten“ zusammen mit der Journalistin Angelika Ohland aufgeschrieben. Zum Beispiel die „Kirche am Markt“ in Blankenese: Unter der Überschrift „Viel haben. Viel geben“ beschreiben die Autoren, wie mit der GemeindeAkademie gesellschaftliche Themen in dem wohlhabenden Viertel aufgegriffen werden. Oder die Friedenskirche in Jenfeld: Vor zehn Jahren führte die Gemeinde das Angebot ein, Kinder und Jugendliche kostenlos mit einer warmen Mahlzeit pro Tag zu versorgen. Zuvor war nur zwei Straßen vom Gemeindezentrum entfernt ein siebenjähriges Mädchen verhungert.
Frank Düchting hat bei seiner Arbeit gemerkt, dass es auch der Gemeinde selbst besser geht, wenn sie sich ihrem Stadtteil öffnet. Auch wenn es zunächst anstrengend sei, würden doch neue Kontakte geknüpft, die dem kirchlichen Leben guttun. Eine Sache betont Düchting aber: „Die Arbeit darf nicht zulasten der Kerngemeinde gehen.“ Der Pastor muss zum Beispiel weiter präsent sein.
Wie wichtig die Arbeit von Gemeinden in Hamburg ist, betont Bischöfin Fehrs: „Kirchengemeinden sind oft das wichtigste Netzwerk im Stadtteil – allerdings nur dann, wenn sie mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten“, sagt die Theologin. Sie lerne bei ihren Besuchen sehr viele engagierte Menschen kennen. Wichtig sei jedoch, Kräfte zu bündeln und gezielter miteinander zu verbinden.

Thema bleibt auf der Agenda

Genau dabei spielten die beiden Kirchenkreise eine wichtige Rolle, meinen Karl-Heinrich Melzer und Thomas Drope, Pröpste aus dem Kirchenkreis Hamburg-West / Südholstein. „Es geht uns auf der Synode um Hamburg und um das Zusammenwirken von Kirchen und Kommunen in der Metropolregion. Die Kirchenkreise bieten im gegenwärtigen Zuschnitt eine Klammer, die landes- oder kommunalpolitisch so noch nicht gegeben ist.“ Für den Kirchenkreis Hamburg-Ost sagt Propst Hans-Jürgen Buhl, dass eine Vernetzung der Gemeinden auf kommunaler Ebene einer gesellschaftlichen Spaltung entgegenwirken würde.
Indes scheint sicher, dass das Thema „Kirche und Stadt“ nach der Synode auf der Agenda bleibt. Im Laufe des Jahres soll das Thema auf allen Pastorenkonventen behandelt werden – damit der Komplex in möglichst vielen Gemeinden ankommt.
WAS: Synode der beiden Hamburger Kirchenkreise zum Thema "Kirche und Stadt"
WANN: am Dienstag, 2. Februar, von 17 Uhr bis 22 Uhr
WO: in der Patriotischen Gesellschaft (Trostbrücke 4-6)

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