Erste Lesung aus gemeinsamen Buch

Wie Margot Käßmann ihre Jugendliebe wiederentdeckte

Die Theologin und ihr Lebensgefährte Andreas Helm haben ein Buch über ihre Beziehung geschrieben. Jetzt haben sie erstmals öffentlich daraus gelesen – und auch die Frage nach der Hochzeit beantwortet.

Margot Käßmann und Andreas Helm vor der Herrenwaldtkirche in Stadtallendorf (Hessen), in der sie sich in ihrer Jugend kennenlernten.

von Dieter Schneberger

Hannover, Marburg. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann (63), und der ein Jahr jüngere Ingenieur Andreas Helm sind bereits als Jugendliche im mittelhessischen Stadtallendorf „miteinander gegangen“, wie es damals hieß. Sie haben in der Herrenwaldkirche gemeinsam Kindergottesdienst gefeiert, Posaune gespielt und im Disco-Keller der Kirche zu „Angie“ von den Rolling Stones eng umschlungen getanzt. 40 Jahre später trafen sie sich in Gießen wieder. Seitdem sind sie erneut ein Paar.

Das am 1. September im Altenberger „bene!“-Verlag erschienene gemeinsam verfasste Buch „Mit mutigem Schritt zurück zum Glück. Weil uns das Leben immer überrascht“ schildert die Zweitauflage dieser Beziehung und das, was sie nach den Worten der beiden Protagonisten trägt: Zuneigung, Vertrauen, Toleranz, Humor, gemeinsame Werte und Herkunft sowie der christliche Glaube.

Parallele Leben geführt

Beide haben früh geheiratet, vier Kinder bekommen, und beide wurden nach 26 Ehejahren geschieden. Zudem sind beide inzwischen Großeltern. „Die Kinder und die Enkel mögen die neuen Partner, wir alle leben in der Familie in großer Harmonie“, sagte Käßmann am Rande der ersten Lesung aus dem Buch. Aber auch das Miteinander mit Freundinnen und Freunden sei wichtig, „gerade wenn wir alt werden“.

Die Theologin ist bereits Autorin von mehr als 40 Büchern und Kinderbüchern. Warum jetzt noch einmal dieses ganz persönliche Werk? „Uns ging es darum, die Dankbarkeit für das Glück, sich wiedergefunden zu haben, mit anderen zu teilen“, sagt die ehemalige hannoversche Landesbischöfin. „Außerdem wollten wir Menschen Mut machen, auch im Alter noch einmal den Schritt in eine neue Beziehung zu wagen.“

 

In der Marburger Stadthalle wird die Premierenlesung von Käßmann und Helm zu einem Heimspiel. Rund 200 Familienangehörige, Freunde und Fans spenden reichlich Beifall für das kurzweilige Anekdoten-Ping-Pong. Für die musikalischen Zwischentöne sorgt der Siegener Gitarrenvirtuose Werner Hucks.

Fernbeziehung auf Augenhöhe

Margot Käßmann hat die Marburger Elisabethschule besucht und später an der Philipps-Universität studiert. Andreas Helm wohnt seit Jahren in Gießen und ist dort vielfältig vernetzt. Er ist als Texter, Posaunist in zwei Bigbands und als Clown in einem Kindertheater unterwegs. Ebenso wie seine prominente Lebensgefährtin engagiert er sich für Frieden, Abrüstung und die Bewahrung der Natur.

Käßmann und Helm machen in Marburg klar, dass sie sich in ihrer Fernbeziehung wohl fühlen, gern gemeinsame Zeit in Hannover, Gießen oder in ihrem Ferienhaus auf Usedom verbringen, aber auch für eine Zeitlang allein sein können. „Mir ist wichtig, dass wir einander ‚lassen‘ können“, schreibt Margot Käßmann. Andreas schaue gern Fußball, und sie brauche manchmal ihre Gartenzeit auf Usedom, das „Rumpuddeln“, das Unkraut jäten.

Nicht in Stein gemeißelt

Wenig halten die beiden von der Idee, noch einmal zu heiraten. „Mit fällt kein Grund dafür ein“, sagt Andreas Helm. Eine Partnerschaft werde nicht dadurch gefestigt und beständiger, wenn sie amtlich vollzogen wird. „Die Verbindung findet im Herzen statt, nicht auf dem Trauschein.“

In Stein gemeißelt ist für die beiden aber nichts. „All dem, was kommt, sehen wir mit Spannung entgegen“, formuliert Käßmann. Das werde „getragen von der Überzeugung, dass wir gehalten sind – von Menschen und unserem Glauben“. Die Lesung endet passgenau mit einem warmen und lang anhaltenden Beifall des Publikums und dem Gitarrenstück „Befiehl Du Deine Wege“ nach Psalm 37. (epd)

Buch-Tipp
Margot Käßmann, Andreas Helm: Mit mutigem Schritt zurück zum Glück.
bene-Verlag 2021, 20 Euro.

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