Bergstedt

Wie eine Hamburger Hochzeitskirche die Sanierung meistern will

Bei Hamburger Brautpaaren ist die Kirche in Bergstedt sehr beliebt. Nun muss sie saniert werden. Doch die Gemeinde will allen Paaren helfen.

Die Kirche von Hamburg-Bergstedt bekommt eine Schönheitskur

von Thorge Rühmann

Hamburg. Die gute Nachricht kam im Mai. Mit 417.500 Euro fördert der Deutsche Bundestag den Erhalt der weit im Nordosten Hamburgs gelegenen Kirche in Bergstedt. „Wir waren total aus dem Häuschen und sind noch immer begeistert“, schildert Peter-Christian Ochs vom Kirchengemeinderat die Freude in der Gemeinde. Der Pferdefuß dabei: Das Gotteshaus zählt mit durchschnittlich 70 Trauungen im Jahr zu einer der beliebtesten Hochzeitskirchen in der Region – nun fällt sie, nachdem in der Pandemie ohnehin viel weniger getraut wurde, womöglich für ein weiteres Jahr aus.

Eine Handvoll Trauungen fänden dieses Jahr noch in der Bergstedter Kirche statt, berichtet Gemeindepastor Richard Tockhorn. „Aber nur vereinzelt. Die meisten der ursprünglich geplanten Trauungen für dieses Jahr sind wegen der Planungsunsicherheiten für die Brautpaare verschoben worden.“ Die aktuellen Lockerungen würden sich höchstens noch auf den September auswirken – am Ende der Hochzeitssaison also.

Geschickte Koordinierung

Um die heiratswilligen Paare nicht zu enttäuschen, versucht die Gemeinde laut Tockhorn, die Sanierung im kommenden Jahr zeitlich so geschickt wie möglich zu koordinieren. So ist die Turmsanierung im Sommer, die anderen Sanierungsschritte sind in der hochzeitsärmeren Zeit geplant. Auf diese Weise ergebe sich 2022 eventuell doch ein Zeitfenster für Trauungen in der Bergstedter Kirche – „erste Anmeldungen gibt es auch schon“, berichtet er. Dennoch wird es in diesem und kommendem Jahr wohl weitaus weniger Gelegenheiten zum Heiraten in Bergstedt geben.

Peter-Christian Ochs (l.) vom Kirchengemeinderat und Pastor Richard Tockhorn die Sanierung der Kirche Bergstedt an Foto: Privat

Denn die Restaurierung der Kirche, die zu den ältesten in der Region Hamburg zählt, soll bis ins Jahr 2023 dauern. Im Mittelpunkt stehe insbesondere die hölzerne Innenausstattung, erläutert Ochs: „Das Kirchen­innere stammt zum großen Teil aus dem 17. und 18. Jahrhundert – darunter ist besonders die Bemalung der Kirchendecke historisch und künstlerisch wertvoll“, sagt der Bauingenieur, der sich seit zwölf Jahren im Kirchengemeinderat engagiert. Seit einem Schwelbrand ist die Holzdecke verdunkelt. Nun werden die Farben wieder aufgefrischt. Auch die Kirchenfenster, das Fachwerk des Kirchturms und die Arp-Schnitger-Orgel im Altarraum sollen durch Fachleute saniert werden, so Ochs.

Das sei dringend nötig und schon seit Langem geplant. Die Gemeinde konnte jedoch die Mittel von insgesamt 835.000 Euro nicht aus eigener Kraft aufbringen. Nun kommt die eine Hälfte aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes, die andere von der Stadt Hamburg. Dafür haben sich unter anderem Finanzsenator Andreas Dressel und die Bundestagsabgeordnete Dorothee Martin (SPD) eingesetzt.

Ein Ort zum Kraftschöpfen

„Damit bleibt die Bergstedter Kirche für viele Menschen auch über den Stadtteil hinaus ein wichtiger Ort zum Kraftschöpfen, für dankbare und fröhliche Feiern und für die stille Einkehr“, sagt Pastor Tockhorn.

Und wo können sich künftige Hochzeitspaare nun trauen lassen? „Wer heiraten will, kann heiraten“, versichert der Theologe. Aufgrund einer Fusion mit den Nachbargemeinden wäre auch eine Trauung in den Kirchen von Wohldorf-Ohlstedt oder Lemsahl-Mellingstedt möglich. „Für den, der eine besondere Hochzeitskirche möchte, können wir Empfehlungen aussprechen“, so Tockhorn: „St. Johannis in Eppendorf und der Michel gehören dazu, die Kirche in Nienstedten und auch einige in den Vier- und Marschlanden, da gibt es schöne ältere Kirchen, beispielsweise in Kirchwerder.“

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