Hamburger Museum der Arbeit zeigt Ausstellung "Konflikte"

Wie ein Streit am besten gelöst wird

Es ist nicht nur der sprichwörtliche Streit unter Nachbarn: Eine Ausstellung in Hamburg zeigt, dass Konflikte in der Gesellschaft zugenommen haben. Doch das muss nicht immer schlimm sein.

Ob diese Erdmännchen in ihrem Leben nochmal Freunde werden?

Hamburg. Debatten zum Klimawandel, Streit um Lohnforderungen, Ärger mit den Nachbarn und Diskussionen am Esstisch – das Hamburger Museum der Arbeit zeigt bis zum 8. Mai 2022 die interaktive Ausstellung „Konflikte“. Gefühlt habe die Anzahl der gesellschaftlichen Konflikte zugenommen, sagte Museumsleiterin Rita Müller bei der Präsentation. Die aktuelle Polarisierung stelle die Demokratie vor große Herausforderungen. Die Ausstellung wolle ermuntern, Konflikte auch als Chance zu sehen.

Empfangen werden die Besucher allerdings erst einmal in einem Raum der Harmonie mit lila Wattewolken. Dazu plätschert leise Musik von Bach. Die Geräusche einer Klima-Demo im Hintergrund sind jedoch ein deutlicher Hinweis, dass die Harmonie nicht von Dauer sein wird. „Spiegel“-Titel erinnern im nächsten Raum an Weltkonflikte, Kurzfilme zeigen, wie Konflikte sich aufschaukeln können, und eine Fotoreihe verdeutlicht, wie konfliktanfällig die Jugendzeit ist.

Schwierige Definition

Konflikte könnten Zerstörerisches bewirken, aber auch Motor der Entwicklung sein, sagte Kurator Mario Bäumer. Das Arbeitsrecht etwa oder Gleichstellung der Frau habe sich vor allem durch Konflikte entwickelt. Ziel der Ausstellung sei nicht die Konfliktvermeidung. Sie möchte vielmehr helfen, Konflikte besser zu lösen. Was genau ein Konflikt eigentlich ist, könne er gar nicht sagen, räumte Bäumer ein. Er habe sich vergeblich bemüht, mit Hilfe der Wissenschaft eine Definition von „Konflikt“ zu finden.

Fokus auf Arbeitswelt

Fotos, Flugblätter und Dokumente beleuchten Konflikte der Hamburger Politik: die Besetzung der Hafenstraßenhäuser, der benachbarte „Park Fiction“, der Streit um das Bismarck-Denkmal und die Demos zum G20-Gipfel. Ein besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf die Arbeitswelt. Historische Kupferstiche informieren über den Streik der Hafenarbeiter 1896/97, auf drei Bildschirmen werden Konflikte im Arbeitsleben thematisiert, und Figuren in Dioramen zeigen Möglichkeiten der Konfliktlösung.

Doch auch Privates kommt zur Sprache. Ein Gartenzwerg-Ratespiel gibt Hinweise, dass Lärmbelästigung am häufigsten zum Streit unter Nachbarn führt. Ein Zettel mit einem Hinweis auf die eigene Party zeigt, wie solch ein Konflikt entschärft werden kann. Eine gestrenge Schauspielerin sitzt per Video am Esstisch und drangsaliert die Familie, und eine Fotoserie zeigt Konfliktlösungen unter Hunden. Ein Fragespiel gibt Auskunft über den eigenen Konflikttyp: durchsetzungsfähig wie ein Hai, empathisch wie ein Uhu oder kompromissfähig wie ein Fuchs.

Zum Schluss im Wolkenzimmer

Die Ausstellung endet wieder im Wolken-Zimmer der Harmonie. Es biete Gelegenheit, noch einmal über den eigenen Umgang mit Konflikten nachzudenken, so Kurator Bäumer. Auch über die Frage: „Ist Harmonie eigentlich das Gegenteil von Konflikt?“. (epd)

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