Gerald Drebes

Wie der Kantor Helgoland zur „Klimafriedensinsel“ machen will

Wenn der Meeresspiegel steigt, ist Helgoland bedroht. Deshalb wird der Insel-Kantor nun aktiv – und will anderen als Vorbild dienen.

Den weltweiten Frieden mit der Natur ausrufen: Das ist das Ziel des Helgoländer Inselkantors Gerald Drebes, hier vor der Langen Anna

von Thorge Rühmann

Helgoland. Wenn Gerald Drebes vom Leben auf Helgoland spricht, gerät er schnell ins Schwärmen. Nirgendwo in ganz Deutschland sei die Luft besser, findet er. Die freie, wilde Natur ringsum begeistert ihn; und die Bewohner der Felseninsel mitten in der Nordsee hätten einen besonders starken Gemeinsinn entwickelt. Drebes ist Kantor auf Helgoland – und will vor Ort ein Netzwerk als weltweites Vorbild für den „Klima­frieden“ etablieren.

Denn Klima und Frieden hängen für Drebes eng miteinander zusammen. „Es gibt die Sorge, dass die klimatischen Veränderungen zu politischen Konflikten und Kriegen führen werden. Man rechnet mit bis zu 200 Millionen Flüchtlingen durch die Klimakatastrophe“, sagt der 58-Jährige, der seit vier Jahren als Kantor auf Helgoland lebt. Doch was hat das mit Helgoland zu tun? Drebes verweist auf dessen bewegte militärhistorische Geschichte, auf die exponierte Lage und auf groß angelegte Projekte rund um regenerative Energien: „Ich habe die Forderung, Helgoland zur Friedensinsel zu machen, aufgegriffen – und dazu die Idee gestellt, auch Frieden mit der Natur zu schließen.“

Unterland gefährdet

Ist Helgoland aktuell bereits vom Klimawandel betroffen? „Wenn der Meeresspiegel so ansteigt wie befürchtet, dann wird man hier im Unterland ständig Überflutungen haben so wie in Venedig“, mutmaßt Drebes, der seine Kindheit auf Helgoland verbrachte. Bei Sturm wäre die Hochsee-Insel dann Wind und Wellen nahezu schutzlos ausgeliefert: „Das wäre verheerend und bedrohlich, denn die Gewalt des Meeres ist enorm.“

Symbol für weltweiten Kampf

Insofern sei die Insel besonders geeignet als Symbol für den weltweiten Kampf gegen den Klimawandel, ist der Kirchenmusiker überzeugt. „Oder eben, positiv ausgedrückt, für den Frieden mit der Natur.“ Im Meer vor Helgoland bestehe ein großer Windenergie-Park, dessen Strom künftig zur Erzeugung „grünen“, also nachhaltig produzierten Wasserstoffs genutzt werden solle. Geplant sei auch, das brachliegende Aquarium auf der Insel mit einer Ausstellung rund um den Klimawandel neu zu beleben. Doch die beteiligten Unternehmen, Vereine und Personen seien bislang eher einzeln aktiv.

Drebes will sie in einem Netzwerk zusammenbringen. „Ich behaupte, dass der Begriff einer Klimafriedensinsel dafür ein sinnvolles Dach ist“, sagt er. Auf diese Weise könnte Helgoland international zum Vorbild werden, wie unterschiedliche Menschentypen mit unterschiedlichen Vorstellungen dennoch zusammenwirken könnten: Schließlich seien Frieden und Klimafrieden Aufgaben der Weltgemeinschaft. „Auf Helgoland sitzen wir buchstäblich in einem Boot – hier gibt es einen sehr ausgeprägten Geist der Toleranz und des Miteinanders“, so Drebes, „eben weil die Leute feststellen, dass sie aufeinander angewiesen sind.“

Welche Rolle die Kirche spielt

Dieses Miteinander will Drebes auch mittels „Musik für den Frieden“ befördern. Dazu hat er etwa den Kanon „Bruder Jakob“ mit neuen Texten zum Frieden und Klimafrieden versehen, um mit der einfachen Melodie vom Kindergarten-Kind bis zur 90-Jährigen möglichst viele auf das Thema aufmerksam zu machen. Und Ostersonntag 2022, am 17. April, plant er schon jetzt ein großes Musik­ereignis zu einem besonderen Anlass: 75 Jahre zuvor hatten die Briten als Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, ganz Helgoland mit einer Sprengung zu zerstören. Der Versuch schlug fehl – zum Glück: Nun könne der Ort als Klimafriedensinsel zugleich als Mahnmal und Vorbild dienen.

Die Kirche auf dem Oberland bezieht der Kantor mitsamt ihrer zwei Orgeln in das Projekt ein. Das Gotteshaus als weithin übers Meer sichtbare Sehenswürdigkeit, die Instrumente, die mittels Spenden optisch zu „Klima-Friedens-Orgeln“ ergänzt und klanglich verbessert werden sollen, mit ihrer Musik als Symbol der Hoffnung. „Ich breite die Arme ganz weit aus“, sagt Drebes: „Die Menschen brauchen die Insel; und umgekehrt brauchen wir Einheimischen den Austausch und die Begegnung mit den Besuchern.“

Infos zu Helgoland als Friedensinsel, Klimafriedensinsel und zur Spendenaktion „Klima-Friedens-Orgeln Helgoland“ gibt es hier.

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