Projekt Q8 in Hamburg-Winterhude

Wie Bewohner für ihr Quartier sorgen

Wie funktioniert ein gutes Miteinander im Stadtteil? In Hamburg-Winterhude haben sie sich darüber Gedanken gemacht – und Q8 gestartet.

Mehrere Menschen tanzen

Bei „Fit im Quartier“ wird Bewegung großgeschrieben

von Marieke Lohse

Hamburg. „Quartiere bewegen“ lautet das Motto des Hamburger Quartiersentwicklungsprojekts Q8. Hinter diesem sperrigen Wort versteckt sich allerdings etwas recht Simples. Es geht darum, wie Zusammenleben in einem Stadtteil gut funktionieren kann. Das entscheidende Stichwort ist dabei Inklusion: Alter, Herkunft, sozialer Hintergrund – das alles soll im Zusammenleben keinen Hinderungsgrund darstellen. Das ist die Idee von Q8 in Hamburg-Winterhude.

Entstanden ist das Projekt 2011 als gemeinsame Initiative der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und der Nordmetall-Stiftung. Über die Jahre haben sich dann verschiedene Kooperationspartner angeschlossen. Sie alle verfolgen ein gemeinsames Ziel. Dabei geht es um eine neue soziale Strategie: dass Menschen selbstbestimmt in ihrem Stadtteil leben. Gleichzeitig sollen soziale Unterschiede und Barrieren keine Rolle mehr spielen, wenn es um das gemeinschaftliche Leben und Wohnen im Stadtteil geht.

Das Q im Projektnamen steht für „Quartiersentwicklung“, die 8 für acht Lebensbereiche, die in jedem Stadtteil von Bedeutung sind, wie zum Beispiel Wohnen, Arbeit, Bildung. „Wenn mehr als zwei dieser acht Lebensbereiche ins Ungleichgewicht kommen, dann braucht jeder Mensch, egal wie gut eingebunden er ist in familiäre oder auch finanzielle Strukturen, Assistenz und Unterstützung“, erklärt Miriam Meyer, die Quartiersentwicklerin von Q8 Winterhude. Dabei geht es konkret um Unterstützung zur Gestaltung von gemeinschaftlichem Leben.

Angebote für Flüchtlinge

Bei dieser besonderen Form der Stadtteilarbeit sind verschiedene Projekte entstanden, wie das Gemeinschaftsprojekt „Wir im Quartier“, an dem auch die Heilandskirche Winterhude-Uhlenhorst und das Goldbekhaus beteiligt sind. Das Projekt sollte zunächst das Leben mit Flüchtlingen im Stadtteil gestalten, also „die neuen und die alten Nachbarn zusammenbringen“, meint Miriam Meyer.

Dabei war das Engagement der Bewohner so groß, dass seit 2015 mehr und mehr Angebote entstanden sind, die ein gutes Zusammenleben im Stadtteil fördern und gestalten. Entstanden ist dabei eine Fülle von Angeboten in und um den Stadtteil. Kultur, Sport, Handwerk aus all diesen Bereichen haben sich nach und nach einzelne Projekte entwickelt. Daran ist auch maßgeblich das Goldbekhaus beteiligt: Ein Schwerpunkt sei hier vor allem die Kulturarbeit, wie Suse Hartmann vom Goldbekhaus berichtet. Im Goldbekhaus selbst finden viele kulturelle Veranstaltungen von ehrenamtlich Engagierten statt.

Sie stellen dann zum Beispiel in Eigenarbeit Theaterstücke auf die Beine, oder es finden gemeinsame Tanzveranstaltungen im Rahmen des Projekts „Fit im Quartier“ statt. Menschen im Stadtteil bewegen, das ist das Ziel. Und auch hier ist die Idee: Die Menschen im Stadtteil gestalten das Zusammenleben. Q8 als Vermittler fördert die Vernetzung und die Verwirklichung solcher Projekte.

Gemeinsam kochen

Gemeinsames Kochen beispielsweise bietet das Projekt TischNachbar. Einmal im Monat kann man hier die eigenen Lieblingsgerichte kochen, in netter Gemeinschaft und mit professioneller Unterstützung von einer Ernährungsberaterin. Vor Kurzem gab es eine Kleidertauschparty. Auch dies bietet die Möglichkeit, Menschen aus der Nachbarschaft zusammenzubringen.

In der stadtteilinternen Fahrradwerkstatt können Flüchtlinge unter Anleitung Fahrräder reparieren und dann auf ihnen das Radfahren lernen. Außerdem bietet die Fahrradwerkstatt Kurse zur Verkehrssicherheit an. Bewohner schaffen Angebote für Bewohner, heißt das Prinzip. Interessierte können sich entweder direkt an Q8 wenden oder einfach die Veranstaltungen besuchen.

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