Auf Synode gewählt

Westfälische Präses Annette Kurschus wird EKD-Ratsvorsitzende

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine neue Vorsitzende: die westfälische Präses Annette Kurschus. Sie ist auf der digital tagenden Synode in das Amt gewählt worden.

Annette Kurschus wird Ratsvorsitzende der EKD

von epd

Die westfälische Theologin Annette Kurschus ist neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Synode wählte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen mit 126 von 140 Stimmen zur obersten Repräsentantin der rund 20,2 Millionen deutschen Protestanten. Es gab vier Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen.

Die 58-jährige Kurschus war zuvor bereits stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende und ist nach Margot Käßmann die zweite Frau an der Spitze der EKD in deren Geschichte. Sie folgt auf Heinrich Bedford-Strohm, der nicht für eine weitere sechsjährige Amtszeit kandidierte.

In einer kurzen Rede nach ihrer Wahl hat Kurschus Betroffenen von Missbrauch in der Kirche mehr Aufmerksamkeit für ihre Anliegen versprochen. Opfer sexualisierter Gewalt hätten gefordert, das Thema zur Chefinnensache zu machen, sagte sie und ergänzte: „Das werde ich tun.“ Es gehe um verbindliche Strukturen und Konzepte, damit solche Taten nicht mehr passieren können, so die westfälische Präses.

Gutes Zeichen

Als weitere Schwerpunkte für ihren Ratsvorsitz nannte Kurschus das Thema Klimawandel und die Aufgabe der Kirche, an der Seite der Schwachen, Abgehängten und Verletzten zu stehen. Zugleich will sie nach eigenen Worten auf Menschen zugehen, die von der Kirche enttäuscht sind. Die Erwartungen an die Kirche seien „immer noch und immer neu groß“, sagte sie. Das spiegele sich auch in herber Kritik und Enttäuschung. Zugleich seien die großen Erwartungen ein gutes Zeichen, weil sie Interesse an der kirchlichen Botschaft der Hoffnung zeigten.

Seit 2012 an der Spitze ihrer Landeskirche

Kurschus steht seit 2012 an der Spitze der westfälischen Landeskirche, die derzeit rund 2,1 Millionen Mitglieder hat. Besonders geschätzt sind die Predigten der ruhig und überlegt auftretenden Theologin. Bei den Wahlen zum Rat der EKD war Kurschus als einzige Kandidatin bereits im ersten Wahlgang mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit in das kirchliche Leitungsgremium gewählt worden. Damit wurde sie zur Favoritin für den Ratsvorsitz.

Synode und Kirchenkonferenz als Vertretung der 20 Landeskirchen entscheiden in digitaler Sitzung am Dienstag auch noch über ihre Stellvertreterin oder ihren Stellvertreter aus dem Kreis der 15 Ratsmitglieder. Vorgeschlagen ist die 60 Jahre alte Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs. (epd)

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