Aktion an Kirchtürmen

Westen leuchten für Flüchtlinge

Von 16 Kirchen in Hannover sollen Rettungswesten leuchten – und auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam machen.

Eine Rettungsweste am Turm der St. Martinskirche in Hannover-Linden

Eine Rettungsweste am Turm der St. Martinskirche in Hannover-Linden

Hannover. Mit orangefarbenen Rettungswesten an ihren Kirchtürmen machen evangelische Kirchen in Hannover auf das Schicksal von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam. In den kommenden Wochen werden sich insgesamt 16 Kirchen an der Aktion beteiligen, sagte Pastor Axel Kawalla von der hannoverschen Landeskirche dem Evangelischen Pressedienst. Die ersten Westen wurden bereits an den Türmen aufgehängt. Damit unterstützten die beteiligten Kirchen die Arbeit des internationalen Aktionsbündnisses „Seebrücke“, das sich für sichere Fluchtwege nach Europa und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung einsetzt.

„Unsere Solidarität gilt allen Menschen auf der Flucht und in Seenot“, sagte Kawalla. „Denen, die ertrunken sind oder um sie trauern, und allen, die helfen.“ Die vom Turm leuchtenden Westen sollten diese Botschaft vermitteln. Mitinitiatorin Marina Röthlinger vom Bündnis „Seebrücke“ in Hannover sagte, die Aktion sollte Menschen dazu bewegen, sich näher über die Anlässe der Flucht zu informieren und die Hintergründe zu verstehen. „Vor allem aber sollten sie ihre Herzen dafür öffnen, dass am anderen Ende des Mittelmeers Menschen in großer Not sind.“ Allein in diesem Jahr sind nach Angaben der „Seebrücke“ mindestens 350 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Vorbild aus Sachsen-Anhalt

An der Aktion unter dem Motto der Jahreslosung „Suche den Frieden und jage ihm nach“ beteiligen sich den Angaben zufolge unter anderem Kirchengemeinden in den Stadtteilen Linden, Limmer, Ricklingen und Hainholz sowie in der Nordstadt, der Südstadt und der List. In der Melanchthonkirche im Stadtteil Bult habe es zur Eröffnung der Friedensaktion einen Abend-Gottesdienst zum Thema Flucht gegeben, berichtete Kawalla. Vorbild ist eine ähnliche Aktion im sachsen-anhaltinischen Dessau.

Die im Juli 2018 gegründete Initiative „Seebrücke“ wird inzwischen von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Deutschland getragen. Auf ihre Initiative hin haben sich in Deutschland mittlerweile fast 50 Städte und Gemeinden zum „sicheren Hafen“ erklärt, darunter Bremen, Braunschweig, Hildesheim, Osnabrück, Oldenburg und Hannover. Sie wenden sich damit gegen eine europäische Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen. Sie erklären sich zudem bereit, aus Seenot gerettete Menschen zusätzlich zur Verteilungsquote unterzubringen. (epd)

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