Wenn das Kino in die Kirche kommt

Aus einer Idee im Auto wurde eine erfolgreiche Reihe, die in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal stattfindet: Quer durch MV werden Kinofilme in Dorfkirchen gezeigt.

"Starkes Stücke" sind in den Kirchen von Mecklenburg-Vorpommern zu sehen

von Marion Wulf-Nixdorf

Rostock/Greifswald. Die Menschen strömen, in vielen Orten stehen sie schon lange vor Beginn draußen vor der Kirche oder der Pfarrscheune zusammen, erzählen. Es gibt nicht mehr viele Begegnungsmöglichkeiten in den dünnbesiedelten Dörfern. „Starke Stücke – berührt und diskutiert“ – Kino in der Kirche – das zieht an, da kommen nicht nur Menschen aus dem Dorf, sondern aus der ganzen Region. Immer mehr Gemeinden bauen vorher und hinterher Stehtische auf, bieten Getränke an.

Im Altarraum dann eine große Leinwand, ein professioneller Filmvorführer, gute Filme. Aus einem Kanon von etwa 200 Vorschlägen können Gemeinden sich Filme aussuchen, die sie in ihren Kirchen oder Pfarrscheunen zeigen möchten. Alle Filme in der Übersicht finden sich hier.

Wie die Reihe entstand

Begann das Projekt des Kirchenkreises Mecklenburg vor zehn Jahren mit sechs Filmen, so sind es inzwischen 33 deutschsprachige und internationale Streifen, die auf der Leinwand flimmern – einige davon mehrfach. Mit 46 Kinoabenden seien die Termine jetzt ausgereizt, sagt Projektleiter Christian Meyer. Die erfolgreiche Reihe, die Kultur und Diskurs aufs Land bringen möchte, ist in erster Linie „sein Kind“. Er war einer von dreien im Auto, mit dabei der damalige Mecklenburger Landesbischof Andreas v. Maltzahn und die Kirchenzeitungsredakteurin. Alle drei waren kinobesessen – und so entstand die Idee, gute Filme in Kirchen auf dem Land zu zeigen.

Hereinspaziert zum Film-Vergnügen! Foto: Christian Meyer / Kirchenkreis

Seit dem zweiten Jahr sind auch pommersche Gemeinden einbezogen. Projektpartner sind hinzugekommen wie „Kirche stärkt Demokratie“ und das „Landesbündnis für Demokratie und Toleranz: WIR. Erfolg braucht Vielfalt“. Seit 2014 beteiligt sich der Pommersche Kirchenkreis auch an der Finanzierung, die in diesem Jahr zunächst wackelte. Doch nunmehr ist klar: Dieses und das kommende Jahr gibt Pommern jeweils 4000 Euro zur Finanzierung hinzu. „Die Filmreihe ‚Starke Stücke‘ ist eine gemeindenahe, wunderbar laufende Veranstaltungsreihe, die zudem auch viele Menschen anspricht, die sonst vielleicht nicht so nah an Kirche dran sind“, meint der pommersche Propst Gerd Panknin. Die Reihe stärke das kulturelle Geschehen im ländlichen Raum und zeige, dass Kirche vor Ort und in der Fläche engagiert und bei den Menschen sei.

Dass der Pommersche Kirchenkreis trotz finanzieller Engpässe dabeibleibt, sei auch ein klares Signal für die Stärkung der Kooperation zwischen den beiden Kirchenkreisen, sagt Panknin. Allerdings gelte es, langfristige Lösungen zu finden. In Mecklenburg ist die Mitfinanzierung seit Jahren fest im Haushalt der Pressestelle eingeplant.

Französische Komödie zur Premiere

Die Eröffnung findet in diesem Jahr am Mittwoch, 28. Juli, um 20 Uhr innerhalb der sechsten „Eickelberger Kunstkirche“ statt – mit dem Film „Die Kunst der Nächstenliebe“, einer französischen Komödie aus dem Jahr 2018. Und sie endet am 5. November im Kirchturm Warsow mit dem Film „Ein Dorf zieht blank“. Nach den Filmvorführungen wird stets zu moderiertem Gespräch eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Im Vorjahr war es unter anderem dank des guten Konzepts und des Engagements der gastgebenden Kirchengemeinden gelungen, die Veranstaltungsreihe trotz der Corona-Pandemie durchzuführen, unter Einhaltung der Hygieneauflagen.

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