Hamburger Propst neuer EKD-Kulturbeauftragter

Wenn das Hobby zum Beruf wird

Der Hamburger Propst Johann Hinrich Claussen wechselt als Kulturbeauftragter zur EKD – und kann dort seiner Leidenschaft nachgehen.

Johann Hinrich Claussen ist neuer EKD-Kulturbeauftragter (Archivbild)

von Klaus Merhof

Hamburg. Entspannt sitzt Johann Hinrich Claussen in seinem Amtszimmer und lächelt. Nein, konkrete Pläne habe er noch nicht, das werde sich ergeben, sagt der 51-Jährige. Noch sei er Propst und Hauptpastor in Hamburg, sein Abschied werde erst am 24. Januar in der Hauptkirche St. Nikolai gefeiert. Dann sei es immer noch eine Woche bis zu seinem Dienstantritt als Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Leiter des EKD-Kulturbüros in Berlin.
„Es ist ein Privileg, sich die neuen Aufgaben weitgehend selbst definieren zu dürfen“, sagt Claussen. Doch Deutschland zähle zu den reichsten Kulturlandschaften Europas und der Welt. Er habe keine Sorge, dass ihm Themen oder gar Ideen ausgehen könnten. Zuerst will er Amtsvorgängerin Petra Bahr besuchen, die 2006 erste EKD-Kulturbeauftragte wurde. Im September 2014 wechselte sie zur Konrad-Adenauer-Stiftung – seitdem ist das Amt vakant.
Religiöse Themen würden öffentlich oft emotional verhandelt – Skandale, Tabu-Brüche, Dauerpolarisierungen im Meinungsstreit. „Doch es muss nicht immer provozierend sein“, sagt Claussen. Eine seiner Aufgaben werde darin liegen, als religiöser Interpret und theologischer Übersetzer aufzutreten, Netzwerke zu knüpfen und Inspirationen zu suchen.

Bunter Lebensweg

„Ich muss nicht alles neu erfinden“, sagt Claussen. Das kulturelle Leben diesseits und jenseits der Kirchenmauern sei in Stadt und Land reichhaltig und etabliert. Es gebe Andachten in Kunsthallen und Museen, langjährige  Kooperationen zwischen Kirche und Kultureinrichtungen wie im Hamburger Abaton-Kino und Symposien in Evangelischen Akademien über Kunst und Musik, Literatur und Theater.
Ungewöhnlich bunt war schon sein bisheriger Lebensweg. 1964 in Hamburg geboren, studierte Claussen evangelische Theologie in Tübingen, Hamburg und London. 1990 war er ein Jahr Landpfarrer in Argentinien. Danach promovierte er in Hamburg und war ab 1996 fünf Jahre Gemeindepastor in Reinbek. Ab 2001 habilitierte sich Claussen an der Uni Hamburg über das Thema „Glück und Gegenglück“, 2004 wurde er Propst im heutigen Kirchenkreis Hamburg-Ost, 2007 auch Hauptpastor an St. Nikolai. Seit 2011 ist er zudem Präsident des Evangelischen Kirchbautages.
Wie schafft man es, angesichts dieser Aufgabenfülle sogar noch Bücher zu schreiben? „Mit Disziplin und Lust an der Arbeit und am Stoff“, sagt Claussen. Die Bandbreite seiner Themen ist groß. Zuletzt veröffentlichte er „Gottes Klänge“ – eine Geschichte der Kirchenmusik. „Ich glaube noch immer an das Gute am Buch“, sagt Claussen. In kaum einem anderen Medium habe man so viel Platz, Gedanken wohlformuliert darzulegen – allenfalls noch im Radio, in den dritten Programmen oder auf den Info-Kanälen. Und auf seine Beiträge in der „Süddeutschen“ oder im „Spiegel“ will er auch als Kulturbeauftragter nicht verzichten.

Verwurzelt in Hamburg

Claussen will nicht komplett nach Berlin umsiedeln, dafür ist er zu sehr in Hamburg verwurzelt. Zwei seiner Kinder gehen hier noch zur Schule und stehen kurz vor dem Abitur. Aus dem Nikolai-Pastorat ist die Familie schon ausgezogen und hat eine Wohnung im Stadtteil Hoheluft gefunden. Vorträge und Publikationen könne er genauso gut und in aller Ruhe in Hamburg schreiben, sagt Johann Hinrich Claussen: „Die ICE-Flotte der Bahn macht manches möglich.“ (epd)
WAS: Gottesdienst zur Verabschiedung von Johann Hinrich Claussen mit Bischöfin Kirsten Fehrs
WANN: am Sonntag, 24. Januar, um 15 Uhr
WO: in der Hauptkirche St. Nikolai (Harvestehuder Weg 118)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren