Fundraising in Kirchengemeinden muss auch Jüngere ansprechen

Weniger Steine – mehr Menschen

Das Spendenaufkommen in Deutschland ist stabil. Doch diese vermeintlich gute Nachricht muss Kirchengemeinden alarmieren. Sie müssen sich dringend um neue und vor allem jüngere Spender kümmern.

Die Peiner Fundraising-Managerin Jana-Christin Kaufmann berät Gemeinden bei ihren Spendenprojekten

von Sven Kriszio

Hannover/Peine/Melle. Eigentlich könnten sich Kirchenkreise, Gemeinden und kirchliche Einrichtungen zurücklehnen. „Die Spendensummen einzelner Geber sind in der Pandemie sogar gestiegen“, bilanziert Peter Dalby. Der Pastor leitet den Bereich Fundraising in der Landeskirche Hannovers, unter anderem bietet er Kirchenkreisen und Gemeinden Beratung an. Doch so positiv diese Entwicklung zunächst erscheine, so bedenklich sei sie, betont der Experte. Denn die Spendenbereitschaft insgesamt stagniere in Deutschland. „Das bedeutet, dass immer weniger Menschen spenden, und sich die Kirchengemeinden massiv um jüngere Spender kümmern müssen.“

Für Dalby, der auf mehr als 30 Jahre Fundraising zurückblickt, ist diese Entwicklung allein kein Anlass zur Sorge. „Ich bin optimistisch. Die Babyboomer haben Geld“, so der 61-Jährige. „Aber man muss gute Projekte für sie finden – weniger Steine und Mörtel, dafür mehr Menschen.“ Außerdem müssten die Gemeinden besser verdeutlichen, welchen Nutzen Spender von ihrer Spende hätten. Insgesamt seien die Kirchengemeinden jedoch beim Fundraising aktiver geworden, sagt Dalby. Die Alternative heiße Sparen und Streichen. Und so hätten mittlerweile mehr als die Hälfte der Kirchenkreise in der Landeskirche Hannovers Fundraising-Spezialisten angestellt – auf rund 25 schätzt Dalby ihre Zahl.

Welche Projekte attraktiv sind

Jana-Christin Kaufmann betreut derzeit 32 Spendenprojekte im Kirchenkreis Peine, darunter auch die Horstkapelle mit einem Volumen von allein rund 700 000 Euro. Auch sie beobachtet den Wandel. „Orgelprojekte sind toll. Aber die Finanzierung einer Stelle für Diakone ist für viele jüngere Spender wesentlich ­attraktiver“, so die 32-Jährige. Sie ­betrachte daher das freiwillige Kirchgeld, ein meist allgemein formuliertes Schreiben, mit dem ­Gemeinden am Ende des Jahres um ­finanzielle Unterstützung bitten, mit gemischten Gefühlen. Auch sie sagt: „Gemeinden müssen sich klarmachen, wen sie erreichen wollen. Mit dem Alter der Spender ändern sich die Motive, Geld zu spenden.“


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Kaufmann, die Gemeinden bei ihren Spendenprojekten berät, wirbt für eine zielgruppengerechte Ansprache. „Jüngere Menschen spenden nicht aus Gewohnheit. Sie hinterfragen den Nutzen ihrer Spende für die Gemeinschaft, aber auch für sie selbst.“ Mitunter sei eine frischere Ansprache nötig. „Wichtig ist, dass die Gemeinde zeigt, wie sehr sie für das Projekt brennt.“

Eine vergleichsweise junge Entwicklung treibt das Fundraising-Büro des Kirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte voran. Er sammele online Spenden, berichtet der dortige Fundraiser Johannes Schrader. „Wir wollen Spendern eine breite Landebahn geben und haben uns schon lange mit dieser Methode befasst.“ Dazu gehöre mehr und mehr das Internet. Seit rund zwei Jahren gebe es ein entsprechendes Programm, das Kirchengemeinden auf ihren Internetseiten nutzen können. „Wir beobachten, dass wir Geld von Menschen erhalten, die nicht zu den klassischen Spendern gehören“, so der 44-Jährige. „Sie spenden, weil es so einfach ist.“

Schaukästen bleiben Pflicht

Doch der Umbau des Internetauftritts allein genüge nicht, sagt Schrader. „Spenden und Fundraising sind eine kommunikative Leistung.“ Gemeinden, die online sammeln wollen, müssten auch weiterhin in Schaukästen oder Newslettern auf ihre Vorhaben hinweisen. Doch es eröffneten sich viele neue Möglichkeiten, so der Experte. Schon bald sollen Touristen über einen QR-Code spenden können, der in Kirchen aufgestellt ist.

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