Oldenburger Synode entscheidet über Jugendbildungsstätte

Was wird aus dem Blockhaus Ahlhorn?

Viele Menschen in Oldenburg verbinden mit der Einrichtung prägende Erlebnisse. Jetzt bereitet die Kirche vor, ihre Trägerschaft zu beenden. 

Die Einrichtung ist nicht nur bei Jugendlichen beliebt

von Jörg Nielsen

Oldenburg. Die Synode der Kirche in Oldenburg wird am Donnerstag über die Zukunft der beliebten Jugendbildungsstätte Blockhaus Ahlhorn entscheiden. Dem Kirchenparlament, das erstmals rein digital tagen werde, liege eine Beschlussempfehlung der Kirchenleitung vor, die Trägerschaft nach vielen Jahrzehnten zu beenden, sagt Bischof Thomas Adomeit. Außerdem werde die Synode über den kirchlichen Haushalt für das kommende Jahr mit einem Volumen von 97,7 Millionen Euro befinden.

Adomeit sagte, er erwarte eine emotionale Debatte um das Blockhaus. Viele Menschen im Oldenburger Land verbänden mit dem Haus etliche bewegende und prägende Erlebnisse. Doch die kirchliche Handlungsfähigkeit sei beschränkt vom finanziellen Rahmen. Allein im laufenden Jahr sei ein Zuschuss von 886.000 Euro nötig. Die seit zehn Jahren andauernden Versuche, das 180 Bettenhaus zuschussfrei zu betreiben, seien gescheitert.

Dramatische Lage

Die Corona-Pandemie habe aus der ohnehin schon schlechten wirtschaftlichen Situation eine dramatische gemacht, erläuterte Oberkirchenrat Deltef Mucks-Büker. Die Zahl der geplanten Übernachtungen sei um 80 Prozent eingebrochen. Im Auftrag der Synode sei in den vergangenen anderthalb Jahren ein Nachfolgeträger vergeblich gesucht worden. Allerdings liefen mit zwei Interessenten noch Gespräche. Zwei weitere hätten sich erst vor wenigen Tagen gemeldet. Doch es zu früh, darüber schon jetzt Aussagen zu treffen.

Bischof Thomas Adomeit

Die Kirche hatte das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg von der britischen Militärregierung mit der Vorgabe übernommen, dort eine neue demokratische Jugend zu erziehen. Seitdem werden Schulungen und Freizeiten angeboten. In den vergangenen Jahren hatte die Kirche fast sechs Millionen Euro in Gebäude und Infrastruktur investiert.

Auch für die Gesamtkirche werde das kommende Jahr schwierig werden, sagte die juristische Oberkirchenrätin Susanne Teichmanis. Sie rechne wegen der Pandemie mit einem Rückgang der Kirchensteuern von fünf Prozent. Um den Etat von 97,7 Millionen Euro auszugleichen, sei es nötig, 2,27 Millionen Euro den Rücklagen zu entnehmen. Dies sei möglich, weil die vergangenen Jahre wirtschaftlich besser gelaufen seien als erwartet.

Transsexuellengesetz im Fokus

Die Synode werde sich neben den Zahlen auch mit theologischen Fragen befassen, sagte Synodenpräsidentin Sabine Blütchen. Der Ausschuss für theologische Fragen lege eine Beschlussempfehlung vor, derzufolge die oldenburgische Kirche sich für die Abschaffung des Transsexuellengesetzes von 1980 einsetzen soll. Weiter soll sich die Kirche für das Selbstbestimmungsrecht von transidenten Menschen einsetzen, die sich der klassischen Zuordnung von weiblich oder männlich nicht unterwerfen wollen oder können.

Zur oldenburgischen Kirche zählen 116 Gemeinden zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen. Ihr gehören knapp 400.000 Mitglieder an. (epd)

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