Besonderes Postamt

Was Erwachsene dem Osterhasen schreiben

Im niedersächsischen Ostereistedt steht Deutschlands größtes Osterpostamt. Tausende Briefe kommen in diesen Tagen an – nicht nur von Kindern.

Im Osterpostamt beantworten Helfer Post an den Osterhasen

von Dieter Sell

Ostereistedt/Kr. Rotenburg. Neben Bergen von Briefen und Postkarten glühen die Stifte. Der Leiter des Osterpostamtes in Ostereistedt bei Bremen, Hans-Hermann Dunker (77), und seine Helfer öffnen Tausende Briefe an den Osterhasen. Handschriftlich notieren sie Adressen und schicken eine vorgedruckte Antwort los. Es sind aber längst nicht nur Kinder, die an "Hanni Hase" schreiben.
"Wir bekommen immer wieder auch Post von Erwachsenen", erzählt Dunker. Ines beispielsweise möchte ihr Glück mit dem Osterhasen teilen: "Ich habe vor kurzem einen Heiratsantrag bekommen", schreibt sie. Ihr Verlobter sei "ein wundervoller Mann, so einen gibt es nicht wieder".

Furcht vor der Kaninchenpest

Dann Post aus einer Tierarztpraxis: Feli und Ulrike sorgen sich um die Gesundheit und den Impfschutz von Hanni Hase. "Nicht, dass Du uns noch krank wirst", schreiben sie in ihrem mit kleinen Herzen geschmückten Brief. Ihre Furcht: Hanni könnte sich mit Myxomatose infizieren, der Kaninchenpest, die immer mal wieder ganze Populationen dahinrafft. Ansonsten wünschen sie Hanni viel Kraft und viele Möhrchen, "dass Du all die schönen bunten Ostereier auch in diesem Jahr wieder gut versteckst".
"Hasen kann das Virus nicht gefährlich werden", beruhigt Dunker, der sich aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen als "Sekretär" des Osterhasen bestens auskennt. Gefahr lauert eher von Zeitgenossen, die dem Osterhasen schriftlich mit der Schrotflinte drohen. Andere verurteilen das Osterhasen-Postamt gemessen am biblischen Ostergeschehen als Humbug: "Sie wissen schon, dass Ostern Jesu Auferstehung ist und nicht die des Osterhasen?" fragt ein offensichtlich bibelfester Briefeschreiber.
Nachdenklich stimmt die Post von Silke, die davon erzählt, dass ihr bester Freund an Krebs gestorben sei und nun Trauer ihr Leben bestimme. "Kein Mensch kann den Verlust wieder gutmachen." Dunker liest auch von Mobbing, drohendem Arbeitsplatzverlust, Beziehungsproblemen.

Jeder Brief wird gelesen

"Es gibt Menschen, die müssen mal was loswerden. Dem Osterhasen kann man Dinge schreiben, die man anderen Menschen vielleicht nicht erzählen würde", ist Dunker überzeugt. In der Osterpostfiliale wird jeder Brief gelesen, in Einzelfällen auch handschriftlich beantwortet. Allein im vergangenen Jahr waren es knapp 37.000.
Auch in den Briefen der Kinder geht es immer wieder um Ernstes. Mädchen und Jungen schreiben von dem, was sie tief bewegt, wünschen sich Frieden auf der Welt, Gesundheit für alle Tiere und Menschen und dass sich ihre Eltern nicht mehr streiten.
Doch in der großen Mehrzahl überwiegt die heitere Post, garniert mit liebevollen Zeichnungen für Hanni Hase und Wünschen für das Osternest. Ganz oben auf der Hitliste stehen wie in den vergangenen Jahren elektronisches Spielzeug, Haustiere, Playmobil, Lego und Barbie-Puppen.
"Wir wollen die Kinder ermutigen, Briefe zu schreiben", erläutert Postsprecherin Maike Wintjen den Hintergrund der Aktion, die vor mehr als 30 Jahren mit ein paar Dutzend Briefen ihren Anfang nahm. Heute ist Ostereistedt Deutschlands einzige Osterfiliale, die komplett von der Deutschen Post gesponsert wird. Und mittlerweile setzen die Kinder – wahrscheinlich unterstützt durch ihre Eltern – schon mal moderne Technik ein, damit Meister Lampe ihr Osternest wunschgemäß füllt. So hat Noah auf 35 Seiten Bilder seiner Star-Wars-Favoriten eingescannt, unter denen sich Hanni Hase nun etwas aussuchen kann.

Briefe sogar aus Übersee

"Eigentlich eine Fehlentwicklung, Ostern wird geschenkemäßig immer mehr zum zweiten Weihnachtsfest", sagt Dunker. In der Post aus Übersee und besonders aus China allerdings stellten die Briefeschreiber auf Englisch auch ganz grundsätzliche Fragen nach dem Sinn des Festes. "Viele wollen auch wissen, was es mit den Ostereiern auf sich hat", sagt Isabel Schaefer. Sie ist jüngstes Mitglied im Team von Hanni Hase, zu dem in diesem Jahr acht Helferinnen und Helfer im Alter zwischen 22 und 85 Jahren gehören.
Gar nicht selten übrigens wird der Osterhase selbst beschenkt – mit liebevollen Zeichnungen genauso wie mit kleinen Basteleien. Ab und zu finden die Postmitarbeiter Süßes in Briefen und Päckchen, sogar Schokolade aus der Schweiz. Unwiderstehlich, findet Dunker: "Dafür unterbreche ich gerne die Fastenzeit." (epd)

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