Jörg-Michael Weißbach

Warum es den Inselpastor nach Schweden zieht

Viele Jahre war Pastor Weißbach der Inselpastor auf Föhr. Jetzt wechselt er in sein Sehnsuchtsland: nach Schweden.

Inselpastor Jörg-Michael Weißbach wechselt nach Schweden

von Thorge Rühmann

Wyk. „Ich bin verwöhnt, die Kirche hier ist eigentlich immer voll.“ Das sagt Jörg-Michael Weißbach, Inselpastor auf Föhr. Im Sommer und zu Ferienzeiten sind seine Gottesdienste in der St.-Nicolai-Kirche besonders gut besucht. Einheimische, Urlauber, auch zahlreiche Klinikpatienten kommen gern in das friesisch anmutende Gotteshaus. Seit 25 Jahren ist Weißbach hier evangelischer Seelsorger. Er kennt seine Gemeinde, die Gemeinde kennt ihn.
An seiner künftigen Wirkungsstätte wird das wohl anders sein. Ab dem 1. September wird Weißbach der deutschen St.-Gertruds-Gemeinde in Stockholm vorstehen. Er hatte sich auf eine der Auslandspfarrstellen beworben, die die Evangelische Kirche Deutschlands jedes Jahr ausschreibt – und wurde prompt zum Vorstellungsgespräch in die schwedische Hauptstadt eingeladen. In Stockholm führte er vier Tage lang zahlreiche Gespräche, ließ sich von etlichen Gremien begutachten. Am Ende stimmte alles: Der 56-Jährige erhielt den Zuschlag. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt Weißbach.

Schweden ist sein Sehnsuchtsland

Nun sieht er den baldigen Umzug nach Skandinavien als Neubeginn für seine Frau Susanne und sich. Die Berufsjahre auf der Nordseeinsel verlebte die Familie im ländlichen Pfarrhaus. „Es war eine sehr schöne, erfüllte Zeit“, resümiert Weißbach, der auch als Notfallseelsorger, im Hospizverein und als Stellvertreter des Propstes beschäftigt war. „Aber Föhr war auch meine bisher einzige Pfarrstelle. Ich wollte gern noch einmal ins Ausland gehen, es wurde Zeit für etwas Neues.“Die vier Kinder der Familie sind längst ausgezogen, sie leben in anderen Regionen Deutschlands und Europas. Die Eltern sind seit Langem typische Schweden-Fans, die Land und Leute lieben. Weißbach: „Die Gemeinde in Stockholm ist eine tolle Möglichkeit für uns. Schweden war schon immer unser Sehnsuchtsland.“
Dort wartet nun die deutsche Gemeinde auf ihn. Predigen wird er in der St.-Gertruds-Kirche, erbaut 1571 mitten in der „Gamla stan“, der Altstadt Stockholms. Der Gottesdienst wird auf Deutsch gehalten, aber gemäß der in Schweden üblichen Liturgie mit drei Lesungen aus dem Alten Testament, den Episteln und dem Neuen Testament. Der Theologe ist gespannt auf die neue Umgebung und freut sich darauf. Andererseits nimmt das Pastoren-Ehepaar mit Schmerzen Abschied von der Insel. Viel Lebendigkeit sei ihm hier begegnet, so Weißbach. Als eines der schönsten Erlebnisse nennt der Inselpastor die Tiergottesdienste, die er mit vielen Kindern und deren Eltern im Pfarrgarten gefeiert hat. Ponys, Ziegen, Schafe – „ein richtiger Streichelzoo war das“, erinnert er sich.

Er bleibt ein Inselpastor

An seiner neuen Wirkungsstätte wird er solche Projekte wohl eher selten erleben. „Dort ist die Gemeindearbeit weniger stark diakonisch ausgerichtet“, so Weißbach. Bei seinem Antrittsbesuch hat er festgestellt, dass sich die Gemeinde grob in zwei Typen von Gottesdienst-Besuchern einteilen lässt: Zum einen gibt es die alteingesessenen Bürger, die seit Jahren traditionsbewusst in die Kirche kommen, zum anderen die Menschen, die aus einer Gelegenheit oder einer Not heraus Trost, religiöse Nähe oder Gemeinschaft suchen. Doch eines wird sich für den Pastor auch in Stockholm nicht ändern: Er bleibt ein Inselpastor – schließlich ist die schwedische Hauptstadt auf zahlreichen Felsenschären im See Mälaren angesiedelt.

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