TV-Gottesdienst live aus Krippenmuseum

Warum ein Punker Jesus in der Krippe beschützt

Mehr als 600 Krippen aus 80 Ländern sind im Norddeutschen Krippenmuseum von Güstrow zu sehen. Am vierten Advent zeigt das ZDF von dort einen TV-Gottesdienst – mit einigen sehr ungewöhnlichen Krippen. Von Anne-Dorle Hoffgaard

Diese "Punk-Krippe" wird am Sonntag im Gottesdienst vorgestellt

Güstrow. Liebevoll, fast zärtlich legt Josef seine linke Hand auf die Schulter der vor ihm sitzenden Maria. Mit seiner Rechten berührt er sanft ihren rechten Arm, während sie auf ihrem Schoß ihr neugeborenes Kind wiegt. Diese Darstellung der biblischen Weihnachtsgeschichte, also der Geburt Jesu, gehört zum Fundus des Norddeutschen Krippenmuseums in der mecklenburgischen Barlachstadt Güstrow und wird am vierten Advent (20. Dezember, 9.30 Uhr) im Live-Gottesdienst des ZDF aus dem Museum eine Rolle spielen. Predigen wird die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann.
Heidemarie Wellmann mag diese Krippe besonders und will sie dann einem deutschlandweiten Publikum vorstellen. Die Skulptur sei einzigartig, findet die 71-jährige Gemeindepädagogin. Zum einen, weil der philippinische Künstler sie aus einem Stück Akazienholz fertigte und Maria und Josef wie die Urbevölkerung einer philippinischen Insel fast nur mit einem Lendenschurz bekleidet darstellt. Am meisten begeistere sie jedoch, wie Josef hinter Maria steht und "ihr den Rücken stärkt", sagt Wellmann. "Josef steht ja sonst meistens dumm rum."

Platzmangel im Museum

Die 71-Jährige sammelt seit Jahrzehnten Krippen und hat dem Güstrower Museum die meisten davon, etwa 60, bereits übergeben. Außerdem hilft Heidemarie Wellmann seit Eröffnung des Krippenmuseums im Dezember 2007 als eine von etwa 25 Ehrenamtlichen mit, den ganzjährigen Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten.
Mehr als 600 Weihnachtskrippen aus über 80 Ländern aller Kontinente gehören zum Sammlungsbestand. Die meisten davon hatte die Hamburgerin Mechthild Ringguth (1928-2010) über 40 Jahre lang zusammen getragen und dem Museum gestiftet. Aus Platzmangel können in den wechselnden Präsentationen immer nur etwa 100 zur gleichen Zeit gezeigt werden, denn die Heilig-Geist-Kirche, um 1300 als Spital zur Pflege von Armen und Kranken erbaut, ist relativ klein.

Älteste Krippe aus dem 13. Jahrhundert

Aus rund 90 verschiedenen ortstypischen Materialien wie Holz, Leder, Stoff, Bernstein, Kork, Draht, Ton oder Silber wurden die Krippen gearbeitet. Zu den künstlerisch wertvollsten zählte für Mechthild Ringguth eine 20 Kilogramm schwere, etwa 80 Zentimeter lange Darstellung der Geburt Jesu, die ein 60 Jahre alter südafrikanischer Zulu-Mann aus dem Stamm eines sehr harten Holzes schnitzte. Die kleinste Krippe ist in einen Schlehdorn-Kern hineingesetzt worden und nur fünf Millimeter hoch. Das älteste Exemplar ist eine kleine, reliefartige Buchplatte aus Elfenbein, die aus dem 13. Jahrhundert stammen soll und von einer Frau aus Münster gestiftet wurde.
In dem ZDF-Gottesdienst am 20. Dezember werden einige Krippen zu sehen sein. Der Pastor der evangelischen Pfarrkirchengemeinde Güstrow, Matthias Ortmann, wird wie Heidemarie Wellmann seine Lieblingskrippe präsentieren: die sogenannte Punk-Krippe von Irla Wulf (Parchim). Zu der vor 15 Jahren aus bunt bemaltem Ton gefertigten Krippe gehören unter anderem ein Punker mit Gitarre und Hund, zwei spielende Kinder mit Schneemann und Handy, ein Wissenschaftler mit Laptop sowie ein Mann, der einen Baseballschläger zerbricht. Maria ist als Vietnamesin und Josef als Schwarzer dargestellt. Zwei alte Menschen halten schützend eine Plane über das Paar mit dem neugeborenen Kind, neben ihnen ein "Hackenporsche" und eine Einkaufstüte.

Maria und Josef – einmal multikulti

"Ich sehe eine bunte Schar von Menschen auf dem Weg zur Krippe", sagt Pastor Ortmann zu seiner Lieblingskrippe. "Maria und Josef sind multikulti und damit Jesus als ihr Kind auch." Die Personen hinter ihnen bildeten ein Dach oder Obdach für alle drei. "Aktueller geht’s nicht."
Mehr als 44.000 Menschen haben sich in den vergangenen acht Jahren die vielfältigen Krippendarstellungen in der Güstrower Heilig-Geist-Kirche angesehen. Von dem Fernsehgottesdienst erhoffe man sich in der 30.000-Einwohner-Stadt noch mehr Besucher, sagt Heidemarie Wellmann. "Nicht, dass wir uns umsonst abgerackert haben." Immerhin werde der Gottesdienst seit Monaten vorbereitet. Vor dem Start der Hauptsaison am ersten Advent musste das Museum 14 Tage geschlossen werden, um die Vitrinen umzuräumen, damit am 20. Dezember etwa 50 Menschen einen Sitzplatz finden können. (epd)

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