Kirchengemeinde Lütau präsentiert klimaneutrales Heizkonzept

Warme Füße dank Holzschnitzeln

Die Kirchengemeinde Lütau gilt als Vorreiterin der Nordkirche: Ihre Gebäude werden klimaneutral beheizt – dank Holz. Nicht nur in der Energiekrise ist das ein großer Vorteil.

Hier wird geheizt: Pastorin Johanna Lembcke-Oberem und Michael Eggers, Vorsitzender des Kirchengemeinderats, vor dem Heizhaus in Lütau

von Nadine Heggen

Lütau. In der Nordkirche gilt die Kirchengemeinde Lütau im Kreis Herzogtum Lauenburg als Leuchtturmprojekt: Nach knapp zehnjähriger Planung, Vorbereitung und Umsetzung beheizt die Gemeinde ihre drei Gebäude klimaneutral mit einer Holzhackschnitzel- und einer Solarthermie-Anlage. Das bedeutet, dass die Gemeinde 80 Prozent der Treibhausgasemissionen einspart – und zudem in der Energiekrise nicht mehr vom Gas abhängig ist.

„Es funktioniert wunderbar, eine Heizperiode haben wir schon hinter uns“, sagte der Bauausschussvorsitzende des Kirchengemeinderats Michael Eggers. Bereits im Herbst 2021 ist die etwa 827.000 Euro teure Anlage in Betrieb gegangen, die nun die Kirche St. Dionys und St. Jakobus, das Pastorat und den naheliegenden Kindergarten versorgt. Die Anlage ist damit die erste, die das selbst gesteckte Ziel der Nordkirche, bis 2035 klimaneutral zu werden, erreicht hat.

Eigenen Wald gepflanzt

Neben dem Pastorat ist ein Heizhaus mit einer Holzhackschnitzel-Heizanlage entstanden. Eine angrenzende Solarthermie-Anlage ergänzt das Wärmekonzept. Im Winter sorgt die Holzhackschnitzel-Heizanlage für Wärme in der Kirche. Für die Beschickung stehen der Gemeinde acht Kilometer Knick zur Verfügung. 600 Meter Knick pro Jahr werden für die Anlage benötigt. Vor fünf Jahren hat die Kirchengemeinde außerdem einen Mischwald mit 8000 Bäumen gepflanzt. Zwischen März und Oktober werden die drei Gebäude ausschließlich über die Solarthermie-Anlage mit Sonnenwärme beheizt.

Die Kirche St. Dionys und St. Jakobus Foto: Steffi Niemann / Kirchenkreis

Der Weg zur Klimaneutralität war steinig. Bereits im Jahr 2012 entstand in der Kirchengemeinde mit 1400 Mitgliedern die Idee, wie sie ihre drei Gebäude mit erneuerbarer Wärme versorgen könnte. „Zunächst hat es gedauert, die kirchlichen Behörden von dem Plan eines eigenen Wärmenetzes zu überzeugen“, sagte die damalige Pastorin Anna Christ. Vor acht Jahren stand das Thema Klimaschutz noch nicht so im Fokus wie heute. Als öffentlich-rechtliche Institution hatte die Kirchengemeinde zudem viele Auflagen zu erfüllen.

Der erste Spatenstich war schließlich für September 2019 angekündigt. Die Finanzierung war klar, der Bauantrag eingereicht. Der Bund willigte ein, sich mit 200.000 Euro an den Kosten zu beteiligen. Den Rest teilen sich die Kirchengemeinde Lütau, der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg, die Nordkirche, die EU und das Land. Doch ein Brief der Denkmalschutzbehörde brachte den Zeitplan ins Wanken: Das Pastorat, das aus dem Jahr 1846 stammt und neben dem die Anlage gebaut werden soll, stand ab sofort unter Denkmalschutz. Statt des ersten Spatenstiches standen wieder viele Gespräche mit Behörden an. Ende 2019 gab das Bauamt dann endgültig grünes Licht.


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Viele Kirchengemeinden aus der Nordkirche werden im Winter wohl neidisch nach Lütau blicken. Vor der Umrüstung war die Kirchengemeinde – wie viele andere – auf drei Gasheizungen angewiesen. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg hat angesichts der Energie-Krise den Gemeinden bereits empfohlen, die Kirchen nur noch maximal auf zehn Grad Celsius zu beheizen. Dank der klimaneutralen Fußbodenheizung werden die Lütauer im Weihnachtsgottesdienst bei 16 Grad warme Füße behalten.

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