KZ-Gedenkstätte Ladelund

Wachsam bleiben

Die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins hat eine neue Leiterin. Die Stelle ist der Berlinerin wie auf den Leib geschneidert.

Katja Happe beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Nationalsozialismus – die Stelle passte einfach.

Katja Happe beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Nationalsozialismus – die Stelle passte einfach.

von Nadine Heggen

Ladelund. Überdurchschnittlich groß ist Katja Happe nicht. 1,70 Meter vielleicht. Dennoch wirkt sie furchteinflößend, wenn sie auf die Besucher blickt, die den fast drei Meter tiefen Panzerabwehrgraben hinter der KZ-Gedenkstätte Ladelund besichtigen. „Hey, du in der blauen Jacke! Weiterarbeiten“, ruft sie energisch und fügt leise hinzu: „An meiner Stelle müssen Sie sich 200 Soldaten vorstellen, schwer bewaffnet. Die Häftlinge hatten hier Todesangst.“

Historikerin aus Leidenschaft

Gerade an Sommertagen, wenn in dem Panzergraben die Butterblumen blühen, ist es schwer, Besuchern den Winter 1944 nahezubringen. Der 48-Jährigen gelingt es dennoch. Die Berlinerin ist eine leidenschaftliche Historikerin, seit 20 Jahren beschäftigt sie sich mit dem Nationalsozialismus. In Ladelund fühlt sie sich bereits sehr wohl. „Die Stellenbeschreibung passte einfach. Die NS-Zeit fasziniert mich aus psychologischer und sozialer Sicht seit Studien­tagen. Außerdem habe ich Gedenkstätten-Erfahrung in Dresden gesammelt und in den Niederlanden studiert“, sagt Happe.

Sie erzählt von dem Fall im niederländischen Putten, der eng mit Ladelund verknüpft ist. Im Oktober 1944 griff dort eine Widerstandsgruppe ein Auto mit deutschen Offizieren an. Daraufhin beschloss die Wehrmacht, alle 600 Männer aus dem Dorf zu deportieren. 278 Puttener kamen nach Ladelund. Mit gut 1800 anderen Männern aus zwölf Nationen mussten sie einen Panzerabwehrgraben ausheben, weil die Nazis eine Invasion aus dem Norden befürchteten.

Heute kommen die Enkel der NS-Opfer

Nach sechs Wochen wurde das Lager aufgelöst. 300 Menschen starben, darunter 110 Puttener. Sie wurden von dem damaligen Pastor der evangelischen Gemeinde, Johannes Meyer, auf dem Friedhof der Gemeinde beerdigt. Nach Kriegsende lud er die Hinterbliebenen der Häftlinge ein, die neun Massengräber zu besuchen. Er gründete damit die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins und bundesweit die einzige in kirchlicher Trägerschaft. 1950 machten sich die Puttener zum ersten Mal auf den Weg nach Ladelund. Seitdem kommen sie jedes Jahr am Volkstrauertag. Von ihrem Büro aus kann Katja Happe den „Garten der Begegnung“ sehen, den sie im April mit Niederländern bepflanzt hat. Die 48 Überlebenden von damals sind mittlerweile verstorben. Ihre Kinder und Enkel halten die Erinnerung wach.

Schülern die NS-Zeit näherbringen

Katja Happe hat sich zum Ziel gesetzt, besonders Schülern die NS-Zeit näherzubringen. Zum einen mit einer Führung durch die Dauerausstellung in Ladelund, aber auch durch innovative pädagogische Konzepte. Zum Beispiel könnten die Schüler mit ihren Smartphones Filme über ihre Erfahrungen in der Gedenkstätte drehen. „Dazu braucht man Zeit mit den Schülern und Geld für pädagogische Unterstützung. An beidem arbeite ich gerade“, erklärt Happe, die junge Menschen dafür sensibilisieren will, dass die Gesellschaft auch heute von rechten Strömungen instrumentalisiert werden kann. „Geschichtliches Wissen ist wichtig, aber die Verbindung zur Gegenwart ist noch wichtiger. Nur dann kann man verhindern, dass die Geschichte sich wiederholt“, so Happe.

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