Museen punkt in der Corona-Krise mit digitalen Angeboten

Von wegen „museumsreif“

Die Museen müssen derzeit wegen der Pandemie geschlossen bleiben. Mithilfe von digitalen Medien kann man nun auch die geschlossenen Museen besuchen – das macht Lust auf mehr.

Der Leiter des Museums Wedel, Holger Junker, präsentiert online seine „Lieblingsstücke“, hier die Möhrenflöte

von Ralf-Thomas Lindner

Wedel/Dithmarschen. „Wer in Museen badet, erfrischt den Geist“, schreibt der deutsche Dichter Erhard Horst Bellermann. So betrachtet fehlt also den Menschen in Zeiten der Schließung von Museen, im großen Lockdown, ein wichtiges Lebenselixier – eine belebende Dusche, gleichsam aus Kultur und Bildung.

Tatsächlich muss aber der schon lange geplante Besuch im nahe gelegenen Museum nicht ausfallen. Wie andere Branchen auch haben die Museen den Weg in die digitale Welt gesucht. Das Rad haben sie dabei nicht neu erfunden, sondern vielmehr die unterschiedlichen schon bekannten und bewährten Zugänge und Techniken verwendet: Facebook, Youtube und Instagram. Blogs, Videos, Datenbanken und Multimediapräsentationen, oft in 3D.

Kleine Museen brauchen Hilfe

In den größeren und großen Museen gibt es derartige digitale Zugänge schon länger. „Oft ist gerade in den kleineren Museen nur eine einzige hauptamtliche Fachkraft beschäftigt – da fehlt die Zeit, um sich neben dem Alltagsgeschäft auch noch um Digitalisierungsprojekte zu kümmern“, sagt Marion Bejscho­wetz-Iserhoht, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg.

Dataport, eine Anstalt öffent­lichen Rechts aus Altenholz, die sich vorwiegend mit der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt, hat sich im vergangenen Jahr auf die Bedürfnisse der Digitalisierung von Museen eingelassen. Drei Themen waren dabei wichtig: die Organisation der Arbeitsplatz­infrastruktur, die Strukturierung der Abläufe vor Ort und die Vermittlung von Inhalten an die Besucher. „Oft mussten wir mit so grundlegenden Dingen beginnen wie der Einrichtung einer E-Mail-Adresse oder eines WLan-Anschlusses“, berichtet Lars Mischak von Dataport. „In diesem Jahr sind wir aber bei der Digitalisierung der kleineren Museen ein gutes Stück vorangekommen.“

„Lieblingsstücke“ gehen online

So präsentiert etwa der Leiter des Stadtmuseums Wedel auf der Museum-Homepage in Videos das, was er für „museumsreif“ hält: „Junkers Lieblingsstücke“. Holger Junker liebt seine Ausstellungsstücke – das wird in den sehenswerten Videos sofort klar. Er berichtet von den Anfängen der Waschmaschine, vom Keksebacken mit dem Fleischwolf oder vom Flötenbau aus Möhren – und haucht den Dingen neues Leben ein. Dadurch gewinnen sie deutlich gegenüber der Ausstellung mit Erklärungstafeln im Museum. Die kurzen Filme laden zum Wiederkommen ein.

Viele interessante Museumsfilme lassen sich auch über Youtube unter dem Suchwort „Museum“ finden. Manche Museen präsentieren sich auch auf Facebook oder Instagram. Bei den beiden letzteren kann man die Beiträge allerdings nur lesen, wenn man sich vorher auf der jeweiligen Plattform angemeldet hat.

Virtueller Rundgang

In einigen Museen kann man die dortige Ausstellung direkt vom Computer aus besuchen. So besteht etwa im Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf die Möglichkeit eines virtuellen Rundgangs – und das, obwohl das Museum bis Ende 2022 geschlossen ist. Auf der Startseite findet sich ein Puppenhaus als Symbol und daneben eine kleine Zeichnung, die den Grundrisss des Hauses versinnbildlichen soll. Über diese beiden Zeichen kann man sich mittels der Computermaus an jeden beliebigen Ort im Haus begeben. Die Kreise auf dem Fußboden sind dabei die Orte, wo man einen neuen Standpunkt im Haus findet, wo Exponate betrachtet oder Schautafeln gelesen werden können. Ein Museumsbesuch ohne jegliches Gedränge.

Nicht nur die nahe gelegenen Museen werden durch die Digitalisierung erreichbar. Auf der Homepage des Museumsfernsehens kann man im deutschsprachigen Raum aus einem reichhaltigen und weiten Spektrum gezielt nach speziellen Themen und nach Museumsorten suchen.

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