Von der Nähe Gottes

Gott ist bei mir in allem, was ich erlebe, schreibt Andreas Timm. Er ist Gefängnisseelsorger in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Gott sprach: „Ich werde mit dir sein…““ aus 2. Mose 3, 1-14
Wer bin ich? Das fragt sich Mose, als Gott ihn losschickt: Geh zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, heraus aus Ägypten! Und auf das anfangs selbstbewusste „Hier bin ich!“ bekommt Mose es nun mit der Angst zu tun und fragt verzagt: Wer bin ich? Ich bin als Kind ausgesetzt worden, als Jugendlicher geflüchtet und arbeite nun als unbedeutender Hirte. Für diesen Auftrag bin ich zu klein. Ich bin kein begnadeter Anführer, nur ein Hilfsarbeiter. Die anderen kennen mich und werden mit den Fingern auf mich zeigen.
Wer bin ich? Diese Frage ist uralt, und dennoch, besonders an den Nahtstellen des Lebens, kommt sie auch heute auf den Tisch. Immer dann, wenn ich an meine Grenzen stoße oder etwas erleben muss, womit ich gar nicht gerechnet habe, was mir zu schaffen macht. Dann beginne ich zu überlegen, wie das mit mir so ist und – wer ich bin.
Das ist eine Frage nach meiner Person, nach meinem Menschsein. Und das heißt ja so viel: Bin ich das, was die anderen von mir zu sehen bekommen oder wie sie mich erleben? Hängt mein Menschsein davon ab, in was für eine Familie ich hinein geboren wurde, wie ich aufgewachsen bin, welche Schule ich besucht habe, welche Ausbildung mir zuteil wurde, welchen Beruf ich ausübe, in welchen Kreisen ich verkehre? Bin ich das, was die Gesellschaft zulässt, ermöglicht oder ablehnt?
Wer bin ich? Wovon hängt das ab? Ich kann diese Fragen nur positiv beantworten, wenn ich Gott mit hineinnehme. Als sein Geschöpf ist er mir nahe in allem, was ich erlebe und auch erleide. Er gibt mir das notwendige Selbstbewusstsein: „Dein bin ich, oh Gott.“
Wie bei Mose redet Gott auch uns immer wieder gut zu, wirbt um uns und gibt Rückendeckung, wenn wir schwächeln oder verzagen: „Ich werde mit dir sein!“ Und schließlich stellt er uns Menschen an die Seite, die da sind, helfen und mitgehen. Siehe Mose, der Aaron an die Seite bekommt, den Bruder, der redegewandt und selbstbewusst ist. Und dann kann es losgehen.
Unser Autor
Pastor Andreas Timm
ist Gefängnisseelsorger in Bützow (Mecklenburg-Vorpommern).
Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.