Bischöfe der ostdeutschen Landeskirchen beraten in Greifswald

Viele Kirchen – wenig Personal

Das Kirchenleben im Osten funktioniert anders als im Westen. Darin sind sich die Bischöfe der östlichen Landeskirchen einig. Bei einem Treffen in Greifswald machen sie auch klar: Die Herausforderungen sind gewaltig.

Im ländlichen MV gibt es viel Natur – und große Entfernungen

Greifswald. Viele Herausforderungen für die Zukunft der kirchlichen Arbeit zeigen sich nach Einschätzung der ostdeutschen Bischöfe zuerst im Osten Deutschlands. Die ohnehin schon großflächigen evangelischen Gemeinden mit ihren vielen Kirchen würden künftig noch größer, sagte der Greifswalder Bischof Tilman Jeremias bei einem Treffen der fünf ostdeutschen Bischöfe in Greifswald. Dies sei für Ehren- und Hauptamtliche eine „gewaltige Herausforderung“. Die Gestaltung der Gottesdienste und der Seelsorge werde sich rasant verändern, und es gebe dazu keine fertigen Konzepte. Jeremias: „Wir stehen hier am Anfang eines Veränderungsprozesses und sind zugleich mittendrin.“

Viele ostdeutsche Gemeinden hätten mit Beginn der Corona-Krise digitale Konzepte erarbeitet, sagte der Magdeburger Landesbischof Friedrich Kramer. Dies spiele hier „eine ganz große Rolle“. Damit könnten auch Menschen in Gottesdienste eingebunden werden, die eine Kirche nicht besuchen können. Aufgabe sei es jetzt, solche Angebote dauerhaft einzurichten und auch die Kirchgänger miteinzubinden. Nach den Worten des Berliner Bischofs Christian Stäblein führt die Digitalisierung dazu, dass die Grenzen der Landeskirchen an Bedeutung verlieren.

Feine Töne

Einig waren sich die Bischöfe darin, dass die ostdeutschen Landeskirchen eine eigene Mentalität verbindet. „Das kirchliche Lebensgefühl ist ein anderes“, so der Dessauer Kirchenpräsident Joachim Liebig. Diese Mentalität sei aber schwer zu benennen. Sie spiele vor allem bei Menschen über 50 Jahren eine Rolle. „Es geht um die feinen Töne“, ergänzte Landesbischof Kramer. Ziel muss nach den Worten der Bischöfe sein, dieses Lebensgefühl zu berücksichtigen, ohne sich damit von den westdeutschen Landeskirchen abzugrenzen. Die Kirchen im Osten arbeiteten unter besonderen Bedingungen, erklärte der Dresdner Bischof Tobias Bilz. Damit sei die Arbeit aber weder besser noch schlechter.

Die Bischöfe tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Greifswald ein Foto: Christine Senkbeil

Bischof Jeremias verwies darauf, dass die Ortsgemeinden in Ostdeutschland traditionell einen höheren Stellenwert hätten als die überregionalen Dienste und Werke. Die Stärke dieser Basisarbeit habe sich in der Corona-Krise daran gezeigt, dass die Mitarbeiter schnell Kontakte zu den Mitgliedern herstellen konnten. Dies sei neben den sozialen Medien zum Teil auch durch das Telefon geschehen. Hier hätten es die überregionalen Dienste und Werke schwerer gehabt. Diese hätten dafür gute digitale Angebote entwickelt.

Neu im Amt

Die Bischöfe sind zu einer zweitägigen Sitzung nach Greifswald gekommen. Außer Kirchenpräsident Liebig sind alle erst seit weniger als einem Jahr im Amt. Dies biete eine gute Gelegenheit, so Bischof Jeremias, „manches neu zu denken“. (epd)

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