Liebeserklärung an die Dorfkirchen

Verwaiste Dorfkirchen als Orte der Kunst

Rund 1.880 Kirchen und Kapellen gibt es auf dem Gebiet der Nordkirche, besonders viele in Mecklenburg-Vorpommern. In der Weihnachtszeit finden jetzt in vier kaum genutzten Dorfkirchen an den Adventssonntagen verschiedene Kunstaktionen statt.

An jedem der vier Adventssonntage findet in einer Dorfkirche eine kleine Weihnachtsandacht mit Vernissage statt(Symbolbild).

von Nicole Kiesewetter

Schwerin. „Dorfkirchen sind häufig das letzte, was nach der Schließung des Einkaufsladens oder der Kneipe auf dem Dorf übrig bleibt“, sagt Luise Klafs, Studienleiterin für Kunst und Kirche in der Nordkirche. Weil jedoch immer mehr Kirchen ungenutzt bleiben oder verwaisen, hat sie für die diesjährige Adventszeit die Aktion „Dorfkirche Mon amour“ (Dorfkirche, meine Liebe) entwickelt.

An jedem der vier Adventssonntage wird eine Dorfkirche im Gebiet der Nordkirche, drei davon in Mecklenburg-Vorpommern, im Rampenlicht stehen – mit einer kleinen Weihnachtsandacht und Vernissage. Dabei werden die Kirchenportale durch Künstlerinnen und Künstler gestaltet – mit Installationen, bildender oder darstellender Kunst. Luise Klafs: „Sie sollen zum Hingucker für Passanten werden, ob kirchennah oder kirchenfern, und ein wenig weihnachtlichen Glanz in die kleinen Ortschaften bringen.“

Das Thema Advent steht bei den Projekten im Mittelpunkt

Das Portal der Kirche werde zum Ort der Begegnung, „mit Menschen, mit der Kunst, mit der Weihnachtsbotschaft oder einfach einem Moment des Staunens“. „Wäre es nicht schön, wenn Menschen an der Kirche vorbei gehen und denken: Toll, an unserer Kirche ist ja was los!“, formuliert Luise Klafs ihren Wunsch. Den Auftakt am 1. Advent (28. November) macht um 15.30 Uhr die Dorfkirche Groß Raden (bei Sternberg) mit der Installation „Ankunft“ von Marc Wiesel und Shirin Goldstein. Die Andacht hält Propst Marcus Antonioli.

„Wir spielen auf verschiedene Weise mit dem Thema Advent“, erklärt Marc Wiesel die von ihm und seiner Künstlerkollegin geplante Aktion. Dabei werden unter anderem 14 runde LED-Leuchten auf dem Boden ausliegen, als „Begrüßungskomitee“. Auf den Leuchten werden verschiedene Emojis abgebildet sein, die eine breite emotionale Palette abbilden. „Wenn Jesus auf die Erde kommt, dann ist das eine Geste. Ist das für mich ein Geschenk oder auch eine Bürde?“ Die Besucher seien eingeladen, sich mit ihren Gefühlen und Gedanken dazu auseinanderzusetzen.

Viele Dorfkirchen eignen sich für eine Veranstaltung

Am zweiten 2. Advent (5. Dezember, 11 Uhr) gibt es in der Kirche St. Nikolai in Kotzenbüll auf Eiderstedt in Nordfriesland Weihnachtswundergeschichten der Puppenspielerin und Erzählerin Petra Albersmann. Am 3. Advent (12. Dezember, 10 Uhr) präsentiert Caroline Barth in der pommerschen Dorfkirche Steinmocker interaktive Kunst. Außerdem gibt es den Lifeact „Lucia-Tradition“ von Sängerinnen der Opernale. Bischof Tilman Jeremias wird ein Grußwort sprechen. Den Abschluss bildet am 4. Advent (19. Dezember, 14 Uhr) die mecklenburgische Dorfkirche Damshagen im Klützer Winkel mit Bildender Kunst von Miro Zahra.

Ludwig Hecker, Pastor für die Kirche in Groß Raden, freut sich über die Aktion. Das Gotteshaus werde seit einiger Zeit nicht mehr genutzt, weil es vor Ort keine Gemeinde gibt. Dabei seien die Bedingungen gut geeignet, etwa über eine verstärkte touristische Nutzung des Gebäudes nachzudenken. „Schön wäre, wenn es nach der Aktion eine gemeindliche Initialzündung wie die Gründung eines Fördervereins geben würde.“

Studienleiterin Luise Klafs hatte bei der Auswahl der Kirchen für ihre Veranstaltungsreihe nach eigenen Worten „die berühmte Qual der Wahl“. Deshalb steht für sie jetzt bereits fest, dass die Reihe fortgesetzt wird: „Die anderen Dorfkirche auf meiner langen Liste wollen auch alle bespielt werden.“ (epd)

Teilnahme ist an allen Vernissagen mit Anmeldung unter info@kulturhimmel.de möglich. Der Eintritt ist frei.
Weitere Infos unter: kulturhimmel.de/dorfkirche-mon-amour/

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