Moderne Gesellschaft

Vaterrolle im Wandel der Zeit

Die Zeiten, als der Vater nur der abwesende Brotverdiener war, sind vorbei, sagt Männerpastor Ralf Schlenker. Die meisten Väter wollen heute eine echte Beziehung zu ihren Kindern.

Dietrich Alte aus Greifswald gehört zu den Vätern, die das Seminar für Kirchlichen Dienst und die Medien- und Informatikschule für eine Ausstellung fotografiert und zu ihrem Vatersein befragt haben.

von Sybille Marx

Rostock/Greifswald. Einer gießt mit den Kindern das Gemüse, ein anderer plaudert mit ihnen auf der Wiese, der Dritte wird von seinen Kindern auf dem Sofa umkuschelt: moderne Väter, wie sie das Greifswalder Seminar für Kirchlichen Dienst (SKD) ab 27. Mai in einer Ausstellung zeigt. Ralf Schlenker, Männerpastor der Nordkirche im Sprengel MV, plant einen Workshop als Begleitung. „Es ist von besonderer Bedeutung, dass sich Väter in ihrem Vatersein gesehen, beachtet und gewertschätzt fühlen“, meint er – nicht nur zum Vater- und Himmelfahrtstag.
„Vaterwerden ist nicht schwer, Vatersein dagegen sehr“, steht auf einem der Plakate, das Grafikazubis der Medien- und Informatikschule für die SKD-Ausstellung entworfen haben. Die Erwartungen, die an die Vaterrolle geknüpft sind, haben sich in den vergangenen 30 Jahren radikal gewandelt, sagt Schlenker.

Die Vater-Kind-Beziehung hat sich verändert

„Väter wollen mehr beziehungsorientierte Zeit mit ihren Kindern verbringen.“ Gleichzeitig seien sie meist die Hauptverdiener in der Familie, auch aus Lohn- und Steuergründen. Nicht wenige litten daher unter dem Gefühl, zu wenig Zeit für ihre Kinder und die Partnerin zu haben. „Unter den Jüngeren kenne ich viele, die Teilzeit arbeiten“, sagt Schlenker. Aber auch das habe seinen Preis: Den Kindern eine finanziell sichere Zukunft zu bieten, sei damit kaum möglich. Das Papa-Kind-Wochenende „PKW“, das Schlenker nach einem ersten Versuch im Vorjahr gern jedes Jahr anbieten würde, soll Vätern bewusste Zeit mit ihren Kindern ermöglichen – und den Austausch der Männer untereinander fördern. Schlenker geht davon aus: „Männer brauchen etwas anderes als Frauen, die wollen vor allem etwas machen.“

Männern fällt das Gespräch mit Ihren Kindern schwer

Beim „PKW“ habe er sie darum mit den Kindern zum Geocaching geschickt, auf Schatzsuche in die Natur. „Da konnte man beobachten, wie gut sie miteinander ins Gespräch kamen.“ Anfangs eher über die Technik, später vielleicht auch über anderes. „Vielen Vätern fällt das Sprechen mit ihren Kindern schwer“, sagt er. „Wenn sie zusammen unterwegs sind und in die gleiche Richtung schauen, geht es schon leichter.“ Auch die Gesprächsrunde „Väterpalaver“ sei gut angekommen, sagt Schlenker. „Die Männer sind bei der Frage gelandet: Wie hab ich meinen eigenen Vater erlebt“, hätten festgestellt, dass sie vieles anders machen wollten als er – und in manchem doch genauso seien.Was nirgends sonst in der Gesellschaft passiere, gelinge hier: der solidarische Austausch von Vätern über ihr Vatersein.

Zu wenig Vater-Angebote in der Kirche

Von vielen Kirchengemeinden würde sich Schlenker allerdings mehr Aufmerksamkeit für Väter und überhaupt für Männer wünschen. Seit vier Jahren bietet er im Sprengel MV Männerseminare mit Sargbauen oder Sensen an, mit Bootsbau, Kettensägearbeiten oder Jagd, außerdem Männergottesdienste und eben die „PKW“. „Das kommt alles super an“, sagt er. Nur seien seine Kapazitäten begrenzt. „Ich hatte gehofft, die Gemeinden würden anfangen, auch selbst solche Freizeiten zu veranstalten.“ Bisher sei das aber kaum der Fall. Dabei müsste es im Interesse aller sein, meint er. „Die meisten, die aus der Kirche austreten, sind Männer um die 30.“ Kein Zufall, glaubt Schlenker. „Die finden in der Kirche einfach nichts für sich.“

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