Gästebefragung in SH

Urlauber bleiben der Kirche treu

Kirchen im Norden kämpfen gegen den chronischen Mitgliederschwund. Doch die Touristen bleiben ihnen offenbar treu: Laut einer Studie besichtigte 2021 wieder jeder fünfte Urlauber in Schleswig-Holstein eine Kirche.

Aktion "Offene Kirche" lockt Urlauber in die Kirchen im Norden.

von Nadine Heggen

Schleswig. Die Kirchen in Schleswig-Holstein waren einer Studie zufolge 2021 für viele Urlauber beliebte Besichtigungsorte. Das geht aus der landesweiten Gästebefragung Schleswig-Holstein (GBSH) hervor, die auf einer Tourismustagung der evangelischen Nordkirche in Schleswig vorgestellt wurde. Demnach besuchte jeder fünfte Befragte während seines Urlaubs mindestens eine Kirche. Jeder sechste Befragte nutzte die Angebote der Kirchengemeinden. Damit blieben die Werte im Vergleich zur Gästebefragung 2017 gleich. Für die Studie waren im vergangenen Jahr mehr als 6.000 Gäste befragt worden.

Der Tourismusexperte der Nordkirche, Ulrich Schmidt, ist mit den Studienergebnissen zufrieden. 6,5 Millionen Touristinnen und Touristen kamen im Jahr 2021 nach Angaben des Statistikamtes Nord nach Schleswig-Holstein. Erfasst wurden dabei allerdings nur Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten. Rechne man die Belegung der zahlreichen Ferienwohnungen mit ein, komme man auf etwa zwölf Millionen Urlauber, so Schmidt. Basierend auf den Zahlen der Studie hätten 2,4 Millionen Menschen eine Kirche besucht.

Konzept „Offene Kirche“ ist ein Erfolgsmodell im Norden

„Kirchen haben eine Anziehungskraft. Dieses Potenzial sollten wir mehr nutzen“, sagte Schmidt. Er appellierte an alle Kirchengemeinden, sich an dem Konzept der Nordkirche „Offene Kirchen“ zu beteiligen. „Wo sonst kann man eine Kerze anzünden, zur Klage, zum Dank oder Trost? Das bietet nur eine offene Kirche“, so Schmidt.

„Die Kirche ist im Urlaub präsent und wird auch als präsent wahrgenommen“, sagte auch der Schleswiger Bischof Gothart Magaard auf der Tagung. Die Studie zeige, dass der Urlaub oftmals Anlass sei für eine neue und positive Begegnung mit der Kirche. „Die Studienergebnisse bestärken uns auf unserem Weg. Wir sollten hier weiterarbeiten und noch mehr Präsenz zeigen“, so der Bischof.

Gerade im Sommer werden in Küstenorten wie St. Peter-Ording und Büsum an der Nordsee oder Travemünde, Scharbeutz und Timmendorf an der Ostsee Gute-Nacht-Geschichten, Piratenfeste und Kutter-Gottesdienste am Strand angeboten. Konzerte in schönen, alten Kirchen wie in der Keitumer St. Severin-Kirche auf Sylt oder in St. Nicolai in Wyk auf Föhr seien immer gut besucht, sagte Schmidt.

Angebote für Urlauber nicht vernachlässigen

„Wir müssen niedrigschwellige Angebote machen, die die Leute auch beim Spazierengehen erreichen“, so der Tourismusexperte. Ein Beispiel sei die „Atempause am Meer“, ein Gottesdienst, der in Scharbeutz im Sommer regelmäßig angeboten wird. „Ein guter Text zu schöner Musik bei Sonnenuntergang – das hat eine besondere Wirkung“, so der Tourismusexperte.

Tatsächlich stellten die Befragten den Angeboten der Kirchen mit der Durchschnittsnote 2,4 erneut ein gutes Zeugnis aus. Allerdings sind die Gäste, die Kirchenangebote im Urlaubsort nutzen oder Kirchen besichtigen, zwischen 58 und 60 Jahren alt und damit der Studie zufolge deutlich älter als der Durchschnittsurlauber.

Außerdem haben die Kirchenangebote offenbar keine Priorität bei Kurzurlaubern: Die Gäste, die Angebote der Kirchen im Urlaubsort nutzen, bleiben mit zehn Tagen überdurchschnittlich lange vor Ort.

Schmidt würde es gern sehen, wenn die Kirchengemeinden der Nordkirche ihre Angebote für Touristen weiter ausbauten. „Das tut den Menschen gut, sie sind dankbar und zeigen das auch“, so Schmidt. Auch die Pastoren profitierten vom Austausch mit den Urlaubern.

Stattdessen zögen sich viele Kirchengemeinden mangels Personal aus den Urlaubsangeboten zurück und konzentrierten sich mit der Gemeindearbeit nur auf die Einheimischen. „Dabei haben wir mit unseren Kirchen einen großen Schatz, den wir noch mehr nutzen sollten“, so Schmidt. Um weitere Angebote für Urlauber umzusetzen, bräuchten die Kirchen daher mehr ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. (epd)

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