Hamburger Pastor fotografiert Menschen mit Maske – und ohne

Unsere zwei Gesichter

Carsten Hokema fotografiert gern Menschen. Für das Ökumenische Forum hat der Pastor gleich zweimal auf den Auslöser gedrückt, um zu zeigen, wie ein Stück Stoff die Kommunikation verändert.

Neben der Kapelle des Ökumenischen Forum fotografiert Carsten Hokema, hier Elke Frey

von Timo Teggatz

Hamburg. Nein, ein Fan der Masken ist Carsten Hokema nicht. Richtig atmen könne man darunter nicht, und wenn man sie vergessen habe, müsse man wieder zurück, sagt der Pastor der Baptistengemeinde aus Hamburg-Altona. Natürlich trage er sie, um andere zu schützen. Und doch hat das ungeliebte Stück den Theologen auf eine Idee gebracht.

Als Hokema, ein leidenschaft­licher Porträtfotograf, immer mehr Menschen in der Öffentlichkeit mit Masken sah, wusste er irgendwann, dass man das fotografisch festhalten muss – und zwar im Vergleich: ein Foto mit Maske und ein Foto ohne. Für seine Gemeinde hat er das bereits in die Tat umgesetzt, jetzt ist er für das Ökumenische Forum aktiv geworden.

Ins Gespräch gekommen

Das Team des Forums war von der Foto-Aktion sofort angetan. „Wir möchten die Aktion auch nutzen, um mit unseren Nachbarn in der Hafencity ins Gespräch zu kommen“, sagt Lisa Rieck. So schwärmten Mitarbeiter des Forums aus, um die Aktion „Meine 2 Gesichter“ bekannt zu machen. In einer Bank um die Ecke und weiteren Geschäften hingen Plakate.

Gut getroffen? Carsten Hokema mit Elke Frey Foto: Timo Teggatz

Carsten Hokema hat direkt vor der Kapelle des Forums seine Ausrüstung aufgebaut und jeden fotografiert, der das wollte. So wie Elke Frey, eine ehemalige Reiseleiterin, die jetzt Englisch-Kurse für Senioren gibt. Sie kam gleich mit einer ganzen Klasse, die alle vor Hokemas Linse posierten. „Die Maske erinnert mich daran, dass ich weiter vorsichtig sein muss“, sagt Elke Frey, die ihren „Schnutenpulli“ von einer Kursteilnehmerin geschenkt bekam. Ansonsten sei die Maske eher ein Hindernis – vor allem beim Englisch-Unterricht, wo es ja auch auf die Aussprache ankomme.

Was macht die Maske mit den Menschen, haben sie wirklich zwei Gesichter? „Man kann den anderen Menschen nicht mehr ganz sehen“, sagt Hokema. Es mache einen großen Unterschied aus, wenn die Mimik wegfalle. Das behindere auch die Kommunikation, weil man zum Beispiel nicht mehr im Gesicht des Gegenübers ablesen könne, ob derjenige gerade einen Witz gemacht habe.

Auf der großen Leinwand

„Manche Leute tragen auch dann eine Maske, wenn sie gar kein Stück Stoff vor dem Mund haben“, hat der fotografierende Pastor gemerkt. Für sie sei die Ausstellung Anlass, darüber nachzudenken, was ihre Persönlichkeit eigentlich ausmache.

Am Ende der Woche hat Hokema mehr als 100 Personen fotografiert. Sie alle sollen in der Ausstellung „Meine 2 Gesichter“ ab Freitag, 4. September, zu sehen sein. Die Bilder sollen sowohl virtuell als auch real zu sehen sein, in einer Online-Bildergalerie auf meine2gesichter.de und auf einer großen weißen Wand vor der Kapelle des Ökumenischen Forums.

Gottes geliebte Menschen

Mit Ausstellungen hat Pastor Hokema bereits Erfahrungen gesammelt: Für „Gottes geliebte Menschen“ fotografierte er Passanten in der Fußgängerzone, und vor sechs Jahren stellte er schon einmal Bilder im Ökumenischen Forum aus, und zwar mit den „Lebenswelten“, einer fotografischen Antwort auf die „Körperwelten“-Ausstellung mit Plastinaten Verstorbener, die damals in der Nachbarschaft des Ökumenischen Forums gezeigt wurde.

Info
Das Konzept für die Ausstellung inklusive Nutzung der Internetseite stellt Hokema anderen Gemeinden kostenlos zur Verfügung. Er ist zu erreichen per E-Mail an pastor@christuskirche.de.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren