Probleme mit kolonialen Denkmälern

Über Kolonial-Denkmäler „neu nachdenken“

Im Streit um deutsche Kolonial-Denkmäler hat der evangelische Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen dafür plädiert, diese Denkmäler historisch und künstlerisch zu kommentieren.

Der evangelische Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen

Hamburg/Berlin. Im Streit um deutsche Kolonial-Denkmäler hat der evangelische Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen dafür plädiert, diese Denkmäler möglichst stehenzulassen und sie historisch und künstlerisch zu kommentieren.

„Endlich ändert sich das“

Es sei wichtig, über die Präsentation deutscher Kolonial-Denkmäler gemeinsam neu nachzudenken. Inzwischen leben viele Menschen in Deutschland, die eine Migrationsgeschichte aus ehemaligen Kolonialgebieten haben, sagte der ehemalige Hamburger Hauptpastor. Bei der Auseinandersetzung mit problematischer Erinnerungskultur in Deutschland haben Kolonial-Denkmäler bislang kaum im Fokus gestanden.

Kritischer Umgang mit Denkmälern in Deutschland

Deutschland und die USA oder Großbritannien lassen sich beim Umgang mit Denkmälern schwer vergleichen, sagte Claussen. „Aufgrund unserer Geschichte haben wir viel früher begonnen, uns kritisch mit problematischen Denkmälern zu beschäftigen, sie abzubauen oder mit Gegendenkmälern zu konfrontieren.“ Er rief dazu auf, auch im Blick auf Denkmäler mit Bezug zur Kolonialzeit nicht pauschal vorzugehen.

„Das Erste ist, dass wir uns überhaupt mit unserer Kolonialgeschichte befassen“, sagte der Kulturbeauftragte. „Hier liegt eine große Bildungsaufgabe vor uns.“ Die Denkmäler können in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe übernehmen. Sie präsentieren das Thema ja im öffentlichen Raum, allerdings auf problematische Weise. „Aber es gibt viel bewährte und kreative Möglichkeiten, das zum Anlass der Auseinandersetzung zu machen“, so der Theologe.

Von Fall zu Fall entscheiden

Angesichts der Forderung bestimmter betroffener Gruppen, Denkmäler oder auch andere Erinnerungsformen wie Straßennamen abzuschaffen, die im Zusammenhang mit Antisemitismus-, Rassismus- oder Sexismus-Vorwürfen gesehen werden, sagte Claussen: „Wir müssen von Fall zu Fall entscheiden. Manchmal sind solche Denkmäler schlicht falsch und dumm, andere sind wirklich verletzend, andere wiederum werden zu unrecht angegriffen.“ Zu letzteren zähle zum Beispiel das Gomringer-Gedicht „Alleen“. „Da gilt es, ein rechtes Maß zu finden, Opfer von Diskriminierung wahrzunehmen, aber keine polarisierende Identitätspolitik zu betreiben.“

Das Gedicht „avenidas“ (Alleen) von Eugen Gomringer wurde 2018 von der Fassade einer Berliner Hochschule entfernt, weil Studentinnen und Studenten es sexistisch fanden. Inzwischen ist es im gleichen Stadtteil an einer anderen Hauswand zu sehen. (epd)

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