Tagung "Ciao Bello" in Rostock

Theologe: Tierbestattung kann neue Kasualie werden

Die Kirche kann für Tierbestattungen mehr machen, fordert der Rostocker Professor Thomas Klie. Auch eine neue Form der Kasualie ist denkbar.

Grabstein für einen treuen Freund auf dem Tierfriedhof in Mainz

Rostock. Die Bestattung eines verstorbenen Haustieres könnte möglicherweise eine neue Form der Amtshandlung (Kasualie) sein, bei der ein professioneller Akteur auf ein Begehren reagiert. Dieses Resümee hat der Rostocker evangelische Theologieprofessor Thomas Klie nach einer dreitägigen Veranstaltung zu neuen Ritualen des Bestattungswesens gezogen. Bei einer professionell begleiteten Tierbestattung trete wahrscheinlich der rituelle Teil in den Vordergrund als kurze Handlung. Ihn würde es reizen, einen tröstenden Ritus für die Bestattung von Haustieren zu entwickeln, so Klie.

Zugleich gab der Theologe in seinem Tagungsresümee zu bedenken, dass eine Tierbestattung die Menschen polarisiere. Es gebe auch keinen Konsens, ob Tiere eine Seele haben. Zu wenig Raum gegeben habe die Tagung der Frage nach der Trauer.

Nur nicht aufdrängen!

Kirche könne im Bereich der Tierbestattung sicher mehr machen als bisher, sagte Klie. Allerdings wäre es ein Fehler, wenn sich Kirche aufdrängen würde. Er regte an, darüber nachzudenken, eventuell Freiflächen auf kirchlichen Friedhöfen für Tierbestattungen umzuwidmen.

Unter dem Titel „Ciao Bello“ hatten sich Experten auf der Tagung in Rostock unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie Tiersegnungen und Gottesdienste für trauernde Hundehalter zu beurteilen sind. Seit 2015 gibt es in Deutschland auf einigen Friedhöfen die Möglichkeit, Mensch und Tier in einem gemeinsamen Urnengrab bestatten zu lassen. Aber nicht kirchlich, wie Klie vor der Tagung mitgeteilt hatte.

Gräber für Tiere und Menschen gefragt

Kirchliche Vorgaben ließen eine kirchliche Beerdigung bisher nicht zu. Allerdings gebe es in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Niederkleveez im Kreis Plön den ersten kirchlichen Friedhof für Haustiere im Norden. Das Begräbnis erfolge jedoch ohne Gottesdienst oder kirchliche Rituale.

Einer Umfrage von 2016 zufolge würden knapp die Hälfte der Befragten gemeinsame Gräber für Tiere und Menschen befürworten, so Klie vor der Tagung. Eine Firma aus Österreich biete sogar an, das Gemisch aus humaner und tierischer Kremierungsasche zu einem Rubin zu transformieren. Gerade weil viele Menschen in der Großstadt der Vereinsamung nahe seien, hätten sie den Wunsch, den letzten Weg auch gemeinsam mit ihrem Haustier zu gehen. (epd)

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