Pandemie

Telefonseelsorge: Corona macht Einsame noch einsamer

Mit dem neuen Lockdown rufen wieder mehr Menschen bei der Seelsorge an. Sie leiden unter Einsamkeit und Ängsten.

Hannover/Stade. Die erneut verschärfte Lage in der Corona-Pandemie mit einer stärkeren Einschränkung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens schlägt sich auch bei der Telefonseelsorge in Niedersachsen nieder. Seit dem Sommer riefen vermehrt Menschen an, die unter Einsamkeit und Ängsten litten, sagte der Sprecher der Telefonseelsorge in der Landeskirche Hannovers, Daniel Tietjen dem epd. Vor allem Menschen, die ohnehin nur wenige soziale Kontakte hätten, litten jetzt darunter, dass sie ihre Bekannten gar nicht mehr sehen könnten. „Wer vorher schon einsam war, der ist jetzt noch mal schlimmer betroffen.“

Auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen verschärfe sich die Situation zusehends. Sie machten rund 30 Prozent der Ratsuchenden bei der Telefonseelsorge aus, sagte Tietjen, der auch Leiter der Telefonseelsorge Elbe-Weser ist. Viele berichteten, dass Therapien verschoben würden und Anlauf- und Beratungsstellen geschlossen oder überlaufen seien. Das sei bereits im Frühjahr so gewesen und wiederhole sich jetzt. Der Diakon und Religionspädagoge forderte, der Staat müsse dafür sorgen, dass für psychisch Kranke mehr Angebote geschaffen würden. Die Coronakrise habe den seit Jahren existierenden Mangel weiter verschärft.

Angst vor Ansteckung

Die Krise führt laut Tietjen bei immer mehr Menschen zu Ängsten. Viele Anrufer berichteten von diffusen Zukunftsängsten. Sie hätten Angst, ihre Arbeit und somit ihre Existenzgrundlage zu verlieren oder Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Manche seien verunsichert und wüssten nicht, wie sie sich im Alltag verhalten sollten.

Bei der Online- und Chatberatung, die eher von jüngeren Menschen genutzt würden, stellten die Ehrenamtlichen immer häufiger Chat-Termine ein, sagte der Experte. Diese würden ausnahmslos alle genutzt, was auf einen steigenden Bedarf hindeute. (epd)

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