Einsichten – die christliche Kolumne

Teilen macht reich

Über die Währung Gottes schreibt Roland Springborn. Er ist Pastor im Ruhestand in Greifswald.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? “ Matthäus 20, 15

Was würde die Gewerkschaft wohl zu solchem Lohnverhalten sagen? Das geht gar nicht. Wie kann einer, der nur eine Stunde gearbeitet hat, den gleichen Lohn bekommen wie einer, der den ganzen Tag geschuftet hat?

Oder ist es der sozial christliche Traum, es allen gleich und gerecht auf Erden zu machen? Von Seiten des Betriebes ginge das nicht lange gut. Die Folge wäre doch, dass alle erst am Nachmittag um fünf zur Arbeit kommen. Warum sollte ich mich den Tag über abrackern, wenn es auch anders geht. Ein Betrieb, der so entlohnte, wäre bald pleite.

Und sagt Jesus nicht selbst, als er seine Jünger aussendet, dass jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist? Also seines und nicht des anderen. Und es ist auch gut so, dass er ihn bekommt.

Im Himmelreich ist es anders. Gott sei Dank! Und zum Glück, besser noch: Uns zum Heil werden seine Reichtümer anders verteilt. Gott ist mit dem Reichtum des Himmels immer für eine Überraschung gut. Das mag uns passen oder nicht. Der „Silbergroschen“ des Himmels heißt Liebe, Vertrauen, Gemeinschaft, Hoffnung. Mit dieser seiner „Währung“ macht Gott es so, wie er es für richtig hält. Er gibt sie nach seiner Gnade und Liebe, nicht nach unserer Sympathie und unserem Verdienst. Seine Liebe gilt dem Heiligen wie dem Sünder. Denn es gibt keinen Heiligen ohne Vergangenheit und keinen Sünder ohne Zukunft, wie einmal einer gesagt hat.

Es geht nicht nach unserer Leistung, sondern nach Gottes Wertschätzung und -schöpfung. Da ist der Kleine genauso wichtig wie der Große, der Schlichte wie der Prunkvolle, der Gewinner wie der Verlierer, der Angesehene wie der Verachtete. In unserer Stadt gibt es seit Langem einen kirchlich diakonischen Kreis mit dem schönen Namen „Teilen macht reich“. Menschen mit und ohne Behinderung treffen sich zu einer fröhlichen und tragenden Gemeinschaft, sind gemeinsam unterwegs, teilen Freud und Leid miteinander. Ein Vorbild für unsere Kirche? Warum nicht.

Unser Autor
Roland Springborn ist Pastor im Ruhestand in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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