Militärbischof Rink auf Standortbesuch in Niedersachsen

Stuhlkreis in der Panzerhalle 

Das Panzerbataillon 414 vereint Deutsche und Niederländer. Stationiert ist es in einer Kaserne an geschichtsträchtigem Ort. Für den Besuch von Militärbischof Rink bietet das viel Gesprächsstoff.

Militärbischof Sigurd Rink (r.) mit Oberstleutnant Hagen Ruppelt

von Karen Miether

Lohheide/Kr. Celle. Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink zeigt sich beeindruckt. „Was für ein Ort!“, sagt er bei seinem Standortbesuch in der Niedersachsenkaserne nahe Bergen bei Celle. „Eine so tiefe Verknüpfung ist mir noch nicht untergekommen.“ Rund 130 Standortbesuche hat der erste hauptamtliche Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland seit seinem Amtsantritt im Sommer 2014 gemacht, auch überall dort, wo deutsche Truppen im Auslandeinsatz sind. Doch Bergen birgt Besonderheiten, die für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgen.

In Großbuchstaben prangt die Abkürzung „M.B.“ für Mannschaftsbaracke noch an einigen der rund 500 Gebäude. Sie stammt aus Wehrmachtszeiten. Die Geschichte der Kaserne ist eng mit der des Konzentrationslagers Bergen-Belsen gleich nebenan verbunden. „Ohne die Kaserne hätte es die Lager an diesem Ort nicht gegeben“, berichtet Katja Seybold von der Gedenkstätte Bergen-Belsen in der Baracke „M.B. 89“. Dort hat die Gedenkstätte eine Ausstellung zur Geschichte der Kaserne und der Wehrmacht eingerichtet.

Kaserne 2016 übernommen

Das NS-Regime baute 1935 in Bergen-Hohne einen Truppenübungsplatz und dann die Kaserne. Seit 1940 war dort auch die Kommandantur des angrenzenden Kriegsgefangenenlagers. Ab 1945 waren Gefangene des Konzentrationslagers in einem Zweiglager inhaftiert. Nach der Befreiung Bergen-Belsens im April 1945 lebten auf dem Gelände heimatlos gewordene ehemalige KZ-Häftlinge, die auf eine Möglichkeit warteten, Deutschland zu verlassen. Diejenigen von ihnen, die noch an den Folgen der Haft starben, liegen dort auf Friedhöfen begraben.

Militärpfarrer Jobst Reller (l.) im Gespräch mit Sigurd Rink in der Kapelle Foto: Harald Koch / epd

Für den Umgang des in der Niedersachsenkaserne stationierten Panzerbataillons 414 mit der Geschichte spiele das eine Rolle, sagt Kommandeur Hagen Ruppelt. „Man muss hier ja darüber reden.“ Auch die Traditionspflege und Traditionsbrüche in den Armeen in Deutschland und anderen europäischen Ländern sind in Bergen Thema. Erst 2016 hat die Bundeswehr die Kaserne übernommen, die vorher in britischer Hand war. Das Panzerbataillon mit derzeit etwa 400 Soldaten besteht zu rund einem Viertel aus Niederländern.

Braucht die EU eine Armee?

Die Zusammenarbeit sei eng, vielleicht ein „role model“ für eine europäische Armee, spricht Ruppelt eine weitere Besonderheit an. Rink sagt, in der evangelischen Kirche werde das Thema Verteidigungsgemeinschaft kontrovers diskutiert. „Eine Denkrichtung dabei ist, dass eine Militarisierung der EU furchtbar wäre.“ Andererseits: „Eine Verteidigungsgemeinschaft wird sich schwertun, noch einmal das Schwert gegeneinander zu heben.“

Der Bischof spricht bei seiner Tagesreise aus Berlin in die Lüneburger Heide erst mit den Offizieren, sie essen gemeinsam. Bei einer Rundfahrt wird mit dem „Leopard 2“ auch technisches Gerät vorgeführt. In der Panzerhalle liegt noch leichter Abgasgeruch in der Luft, als schließlich gut ein Dutzend deutsche und niederländische Soldaten und eine Soldatin für das Gespräch mit Rink und dem örtlichen Militärseelsorger Jobst Reller Stühle zum Kreis zurechtrücken. „Mich interessiert, was Ihnen am Herzen liegt“, leitet der Bischof ein.

Pendlerleben ein Thema

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Pendlerleben der Soldaten, von denen nur ein Teil dauerhaft an dem abgelegenen Standort wohnt – auch diese Themen kommen zur Sprache. Und es wird persönlich. Ihm habe sein christlicher Glaube Halt gegeben, wenn er bei Einsätzen etwa in Mali oder dem Kosovo „mit dem eigenen ABC“ an Grenzen gekommen sei, sagt Ruppelt (43).

Andere können mit Religion eher wenig anfangen. In Krisengebieten könne der Glaube auch verloren gehen, meint Darleen Dähne. Die 25-Jährige ist die einzige Frau in der Runde. „Stabsgefreiter“, sagt sie zu ihrem Dienstgrad, die Formulierung sei noch nicht angeglichen. „Ich finde es schwierig, wenn da ein Gott über uns wacht, dass er zulässt, dass wir uns so böse Dinge antun.“ Für ein weiteres Thema, dass der Militärbischof noch anschneiden wollte, bleibt vor der Andacht dann keine Zeit mehr: den Vorstoß von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), eine internationale Truppe solle eine Sicherheitszone im Norden Syriens schaffen. (epd)

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