Sozialwissenschaftliches Institut der Evangelischen Kirchen

Studie: Ehrenamtliche in Kirchen sind systemrelevant

Ehrenamtliche Prädikanten und Lektoren sind für Kirchengemeinden inzwischen unverzichtbar. Das bestätigt eine Studie nun schwarz auf weiß.

Ehrenamtliche Prädikanten unterstützen Pastoren beim Gottesdienst (Symbolbild)

Hannover. Ehrenamtliche, die anstelle von Pastoren Gottesdienste halten, sind laut einer Pilotstudie des Sozialwissenschaftlichen Instituts (SI) der Evangelischen Kirchen in Deutschland inzwischen unverzichtbar. „Aus vielen Kirchengemeinden sind sie längst nicht mehr wegzudenken“, sagt Studienleiter Gunther Schendel. Im vergangenen Jahr hatte er in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers Pastoren, Ehrenamtliche und Gottesdienstbesucher zum Thema befragt. Nun wurde die SI-Studie, die unter anderem Motivation, Einsatzfrequenz und Zufriedenheit der Ehrenamtlichen untersucht, veröffentlicht.

Die Zahl der Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst – also Lektoren und Prädikanten – in der hannoverschen Landeskirche liege bei mehr als 2160 Personen und übersteige damit die Zahl aller Pastoren von rund 1800. Deutschlandweit stünden mehr als 48.000 solcher Ehrenamtlichen rund 34.000 Pastoren gegenüber, dabei seien auch die Pastoren im Ruhestand eingerechnet.

Vor allem ländliche Regionen betroffen

Der ehrenamtliche Verkündigungsdienst sei in der Notsituation des „Kirchenkampfes“ und des Pfarrerinnenmangels im Zweiten Weltkrieg entstanden, erläuterte Schendel. Inzwischen habe der Dienst in der hannoverschen Landeskirche „eine systemrelevante Dimension erreicht“. Dies gelte vor allem für ländliche Regionen. Mehr als die Hälfte der Ehrenamtlichen habe im vergangenen Jahr zwischen drei- und zehnmal Gottesdienste gestaltet, ein Siebtel der Lektoren und ein Drittel der Prädikanten sei sogar zehn- bis mehr als zwanzigmal im Einsatz gewesen. Nicht unüblich sei ein mehrmaliger Einsatz am gleichen Tag.

Zudem seien die Ehrenamtlichen auch häufig an außerkirchlichen Einsatzorten aktiv. Besonders bemerkenswert sei etwa der verbreitete Einsatz von Lektoren und Prädikanten in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen, erläutert Schendel. Ihr Repertoire umfasse mit Einschulungsgottesdiensten, Gottesdiensten zum Schützenfest oder plattdeutschen Gottesdiensten auch weitaus mehr als nur klassische Sonntagsgottesdienste. Im Einzelfall könnten Prädikanten auch mit Taufen, Trauungen und Beerdigungen beauftragt werden.

Was Prädikanten und Lektoren unterscheidet

In den meisten evangelischen Kirchen Deutschlands werde im ehrenamtlichen Verkündigungsdienst zwischen Lektorinnen und Prädikantinnen unterschieden. Ersteren dürften „Gottesdienste mit Lesepredigt“ übertragen werden, Letztere dürften Gottesdienste mit selbstverfasster Predigt halten und in vielen Landeskirchen auch Abendmahlsfeiern leiten. (epd)

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