Altonaer Museum zeigt die besten Pressefotos

Stille Bilder – kalte Orte

"Mutige Geschichten und einzigartige Einblicke" versprechen die Macher der Ausstellung "World Press Photo". Sie ist in diesem Jahr an einem anderen Ort zu sehen.

Mit Klima und Umwelt haben sich viele Preisträger auseinandergesetzt

von Evelyn Sander

Hamburg. Die Ausstellung „World Press Photo 2022“ zeigt bis 27. Oktober preisgekrönte Fotografien internationaler Fotojournalisten in Hamburg. 120 Bilder aus dem weltweit größten Wettbewerb dieser Art werden erstmals von den Magazinen „Geo“ und „Stern“ im Altonaer Museum präsentiert, so die Organisatoren. „Fotojournalismus ist vielfältiger geworden“, sagte „Geo“-Fotochef Lars Lindemann. Immer mehr junge Frauen seien unter den insgesamt 24 Preisträgern. Damit sei auch die Bildsprache, die den Zustand des Planeten zeigt, vielfältiger geworden. Die Wanderausstellung „World Press Photo 2022“ ist weltweit in mehr als 100 Städten in fast 50 Ländern zu sehen.

Die Bilder dokumentieren „mutige Geschichten und einzigartige Einblicke“ zu aktuellen Konflikten, Klimawandel und Umweltprobleme sowie das Alltagsleben unterschiedlicher Gesellschaften, den Schutz indigener Kulturen und auch Phänomene wie Fake News. Neben der Ausstellung werden ein entwicklungspolitisches Begleitprogramm und Führungen für Schulklassen angeboten.

Am Grab der Kinder

Das Gewinnerinnen-Foto „Kamloops Residential School“ thematisiert die Gräber von über 200 Kindern aus indigenen Gemeinschaften Kanadas, die 2021 auf dem Gelände eines staatlichen Internats gefunden wurden. Die Fotografin Amber Bracken erinnert mit ihrer Arbeit an das Schicksal vieler Kinder und Jugendlicher aus indigenen Gemeinschaften, „die ihren Familien entrissen, ihrer Kultur beraubt und häufig missbraucht und getötet wurden“, hieß es. „Es ist ein stilles Bild und das erste Gewinnerfoto, auf dem keine Menschen zu sehen sind“, sagte Ausstellungsmanagerin Julia Kozakiewicz von „World Press Photo“.

Das Altonaer Museum zeigt die besten Pressefotos Foto: Evelyn Sander

Bereits seit 1955 werden jedes Jahr die besten internationalen Pressefotografien des jeweiligen Vorjahres mit dem „World Press Photo Award“ ausgezeichnet. Der Award sei der weltweit größte und international anerkannte Wettbewerb für Pressefotografie, hieß es. In diesem Jahr hat die unabhängige Jury aus 64.823 Beiträgen von 4.066 Fotografinnen und Fotografen aus 130 Ländern ausgewählt. 24 Fotografinnen und Fotografen aus 23 Ländern wurden in unterschiedlichen Kategorien prämiert.

Ausgezeichnet wurde unter anderem die Fotogeschichte von Mattew Abbott über den Nawarddeke-Ältesten, der im australischen Arnhem Land Gras verbrennt, um seine Heimat vor späteren Waldbränden zu schützen. Lalo de Almeida fotografierte Mitglieder der indigenen Munduruku-Gemeinde, die auf ein Flugzeug warten, um gegen den Bau eines Staudamms protestieren.

Wald verbrannt

Nanna Heitmann dokumentierte die Waldbrände, die Umweltverschmutzung und das Schmelzen der Permafrostböden in Sacha, auch als Jakutien bekannt. An diesem kältesten Ort der Welt würden die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich, so die Fotografin. 2021 sind dort 17 Millionen Hektar Wald verbrannt, Heitmann fotografierte Feuerwehrleute und Bauern im Kampf gegen die Flammen. Heitmann: „Erst als immer mehr Journalisten darüber berichtet haben, schickte der russische Präsident Putin endlich Löschflugzeuge.“ (epd)

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