Einsichten – die christliche Kolumne

So viele Hoffnung

Über den Verrat gegenüber einem Freund schreibt Philipp Graffam. Er ist Pastor in Lauenburg an der Elbe.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ aus 1. Petrusbrief 1, 3

Was für ein Mut machendes Wort. Darin steckt so viel Leben, so viel Zuversicht. Es ist die pure Dankbarkeit, aus der ein Christ sprechen kann. Ostern – das Leben hat mich wieder. Der Verfasser dieses Verses nennt sich Petrus – und nimmt für sich die Autorität in Anspruch, „Mit­ältester und Zeuge der Leiden Christi“ gewesen zu sein.

Wie findet Petrus solche Worte? Wie kann er so überschwenglich reden? Woher nimmt er solche Kraft? Petrus, so beschreibt er das in seinem Brief, war nicht nur Zeuge des Leidens Christi, sondern auch seiner Auferstehung. Er hat Jesus als auferstandenen Christus erlebt. Er hat in den Begegnungen mit ihm erfahren, was sich in ihm alles verändert. Wir erinnern uns: Petrus war derjenige, der Jesus dreimal verraten hatte. Für ihn war nicht nur der Tod Jesu, sondern genauso sein eigener Verrat gegenüber seinem Freund und Lehrer ein tiefer Bruch.

Meine Gedanken schweifen in vergangene Zeiten. Ich ging gerade zum Konfirmandenunterricht und fand einen Freund. Es war der beste Freund, den ich je hatte. Wir haben alles geteilt. Doch eines Tages gab es einen Bruch. Andere machten sich über meinen Freund lustig, und ich stand nicht zu ihm; stimmte mit ein in den ehrlosen Spott. Unsere Freundschaft schien dahin. Was für eine Dummheit. Für den Moment meinte ich, dazugehören zu müssen, und verlor meinen besten Freund. Dann, eines Tages, standen wir uns wieder gegenüber. Ich war schon auf Gemeinheiten eingestellt. Plötzlich aber sagte er: Wollen wir wieder Freunde sein?

Mir wurde plötzlich bewusst – das war der einzig mögliche Weg. All meine Versuche, ihn zurückzugewinnen – sie hätten nichts genützt. Seine Vergebung hat das Band neu geschlossen. Es folgten wunderbare Jahre der Freundschaft. Petrus weiß, was das bedeutet: tiefste Verzweiflung zu erleben, enttäuscht zu sein über sich selbst, sich mit Selbstvorwürfen zu quälen. Für ihn war alles zu Ende. Er hätte wohl nie gedacht, dass er noch einmal zu solcher Freude, zu solcher Hoffnung fähig sein könnte.

Unser Autor
Philipp Graffam
ist Pastor in Lauenburg an der Elbe.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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