Heiligabend in der Corona-Pandemie

So liefen die Gottesdienste zu Weihnachten

Mit Maske und unter freiem Himmel – die weihnachtlichen Gottesdienste im Norden waren etwas Besonderes. Wenn sie denn stattfanden.

Mit Maske feiert Bischöfin Kirsten Fehrs am Heiligabend eine Christvesper vor dem Michel

von epd/tt

Hannover/Hamburg. Mit zahlreichen Gottesdiensten haben die christlichen Kirchen im Norden das Weihnachtsfest gefeiert. Weil wegen der Corona-Pandemie normale Weihnachtsgottesdienste nicht möglich waren, hatten sich die Pastoren ungewöhnliche Ideen überlegt. So gab es in der evangelischen Matthäuskirche in Hannover ab Heiligabend um 12 Uhr stündliche Kurzgottesdienste im 24-Stunden-Takt. In Dransfeld bei Göttingen feierten Christen die Weihnachtsgottesdienste in einem Autokino. In Stuhr bei Bremen zog ein Pastor mit einer „rollenden Kanzel“ durch den Ort – einem weihnachtlich geschmückten Wagen, der von einem Traktor gezogen wurde.

Wegen der Corona-Pandemie fanden die Weihnachtsgottesdienste überall unter strengen Hygieneauflagen und mit begrenzter Besucherzahl statt – viele davon unter freiem Himmel. Bei allen Feiern herrschte Maskenpflicht, und Gemeindegesang war verboten. Viele evangelische und katholische Gemeinden hatten ihre Gottesdienste und Messen wegen der steigenden Infektionszahlen ganz abgesagt.

„Ein Ort voller Leben“

Aufgrund der Pandemie gab es eine große Anzahl an Video-Gottesdiensten, die per Internet übertragen wurden. So sendeten die Bischöfe Ralf Meister und Heiner Wilmer unter dem Motto „Friedenskind an unserer Seite“ erstmals einen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst aus einer Kneipe in Hannover, der aufgezeichnet worden war. Die Bischöfe saßen dabei mit einem Glas Apfelschorle am Tresen und legten die biblische Weihnachtsgeschichte aus.

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Eine Kneipe sei „ein Ort voller Leben“, sagte der evangelische Bischof Meister. „Hier wird auf das Leben und auf die Liebe angestoßen.“ Sein katholischer Amtskollege Wilmer sagte: „Wir vermissen Orte, an denen wir uns begegnen. Wir vermissen Sicherheit und Gewissheit. Und wir merken jetzt besonders, wo uns sonst das Leben so reich beschenkt hat.“ Der digitale Kneipen-Gottesdienst war nach Angaben der Bischöfe auch ein Zeichen der Solidarität mit den Gastwirten, denen die Krise schwer zusetze.

Die Nordkirche streamte einen Gottesdienst aus dem menschenleeren Schweriner Dom, in dem die Regierungschefs aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein die Weihnachtsgeschichte per Video-Botschaft lasen. Für den musikalischen Rahmen sorgten Domkantor Jan Ernst (Orgel), Meinderd Zwart (Gesang) und Hans Jacob (Trompete).

Mit viel Abstand sind die Menschen vor dem Michel zusammengekommen Foto: Stephan Wallocha / epd

Der Hamburger Michel feierte Heiligabend acht Gottesdienste – im Wechsel draußen und drinnen. Auch Bischöfin Kirsten Fehrs predigte. Die Gesellschaft werde sich durch die Corona-Pandemie verändern und neue Wege gehen. Dabei wird ihr aber der Weg gezeigt, sagte die Theologin. So unerhört nah sei ihr die Geschichte von Jesus‘ Geburt in diesem Jahr, das alle Herzen bewege. „Weil in jedem Verzicht, den wir in den vergangenen Monaten erlitten haben, in jedem Neuplanen, jedem Aufbruch, in jedem – auch inneren – Ortswechsel Gott bei uns war und immer bleiben wird“, sagte die Bischöfin.

In Kiel kamen Heiligabend etwa 300 Menschen am Bootshafen zu drei ökumenischen Gottesdiensten zusammen. Die Gottesdienste waren laut Kieler Nachrichten lange vorher ausgebucht. „Ich bin insgesamt sehr froh, dass wir trotz mancher Kritik an den Gottesdiensten am Bootshafen festgehalten haben“, sagte Pröpstin Almut Witt der Zeitung. In einer der Feiern las Oberbürgermeister Ulf Kämpfer die Weihnachtsgeschichte.

TV-Gottesdienst aus Winsen

Die ARD sendete einen evangelischen Weihnachtsgottesdienst aus der St. Marienkirche in Winsen an der Luhe. Unter dem Motto „Wie kommen wir dieses Jahr zur Krippe?“ standen dabei die Weisen aus dem Morgenland im Mittelpunkt, die sich nach biblischer Überlieferung auf den Weg zum neugeborenen Christuskind machten. (epd/tt)

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