So lief die Synode der Landeskirche Schaumburg-Lippe

Von der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bis zum assistierten Suizid – das Kirchenparlament hatte viele Themen auf der Agenda. Der Überblick.

Karl-Hinrich Manzke

Bückeburg. Der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke hat sich gegen mögliche Angebote von Suizid-Beihilfe in kirchlichen Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern ausgesprochen. „Niemand darf in evangelischen und diakonischen Einrichtungen Angst haben, dass der Suizid zu einer Normaloption des Sterbens stilisiert wird“, sagte er in Bückeburg vor der Synode der schaumburg-lippischen Landeskirche: „Pflegebedürftige Menschen in evangelischen Einrichtungen müssen gewiss sein dürfen, dass sie niemand mit der Frage, warum sie noch da sind, konfrontiert.“

Seelsorge, Pflege und medizinische Unterstützung müssten alle Kräfte aufwenden, um auch den Wunsch zu sterben verständnisvoll und empathisch zu begleiten, sagte Manzke in seinem Bischofsbericht vor dem Kirchenparlament. Sie dürften in diesen Wunsch aber nicht weiter aktiv eingreifen als in den „auch sehr sorgsam und zugewandt eingesetzten Ermöglichungsformen des Lassens“. Damit bezog sich der Bischof auf Formen der passiven Sterbehilfe, etwa durch den Verzicht auf mögliche weitere Therapien für unheilbar Kranke.

Kirche debattiert

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 in einem Urteil das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben herausgestellt, das auch Dritten die Assistenz beim Suizid erlaube. Daraufhin war es in den Kirchen zu einer kontroversen Diskussion darüber gekommen, ob der assistierte Suizid auch in kirchlichen Häusern möglich sein sollte.


Mehr zum assistierten Suizid
Nordkirchen-Landesbischöfin fordert offene Debatte über assistierten Suizid
Darf die Kirche beim Sterben helfen?
„Ich bitte den lieben Gott…“ – eine Schwerkranke zur Debatte


Bei der Frühjahrstagung beschlossen die 30 Delegierten der Synode, der Stiftung Krankenhaus Bethel einen Zuschuss von 450.000 Euro für den Aufbau eines stationären Hospizes für das gesamte Schaumburger Land zu gewähren. Das Hospiz mit acht Plätzen für sterbende Menschen soll in den kommenden beiden Jahren auf einem Grundstück der evangelischen St.-Martini-Kirchengemeinde in Stadthagen entstehen.

Gut durch die Krise

Finanziell betrachtet ist die Landeskirche besser durch die Coronakrise gekommen als befürchtet. Die Einnahmen aus der Kirchensteuer seien lediglich um 3,7 Prozent eingebrochen, berichtete der Präsident des Landeskirchenamtes, Christian Frehrking. Die Landeskirche nahm 2020 rund 380.000 Euro weniger ein als geplant – bei einem Gesamtetat von rund elf Millionen Euro.

Wegen ausgefallener Veranstaltungen seien allerdings Gelder in gleicher Höhe eingespart worden, so dass am Ende eine schwarze Null stehe, sagte Frehrking: „Fiskalisch sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Allerdings seien durch den Wegfall von Konfirmanden-Camps oder Freizeiten auch Chancen für das kirchliche Leben verpasst worden.

Bei Segnung nachgezogen

Die Synode verabschiedete zudem ein Kasualgesetz zur Segnung gleichgeschlechtlicher Ehepaare. Schaumburg-Lippe hatte im vergangenen Herbst als letzte Mitgliedskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beschlossen, dass sich homosexuelle Paare im Gottesdienst öffentlich segnen lassen können.

Das neue Kasualgesetz soll diesen Beschluss nun umsetzen. Es legt Einzelheiten zur Segnungshandlung fest. Wegen Corona habe es bisher noch keine Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der Landeskirche gegeben, erläuterte Frehrking. Zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe an der Grenze von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehören 22 Gemeinden mit rund 48.000 Mitgliedern im nördlichen Landkreis Schaumburg. (epd)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren