Versteigerung im Internet

So lief die Hamburger Ebay-Predigt

Pastor Jonas Göbel predigt zu einem Thema, das er vorher im Internet versteigert hat. Zum Gottesdienst kommen mehr Besucher als sonst, der Erlös wird gespendet.

Ebay-Taste auf einer Tastatur

Hamburg. 250 Euro wurden bei Ebay für seine Predigt gespendet: Der Hamburger Pastor Jonas Göbel (30) glaubt nicht, dass Gott beim Jüngsten Gericht wie ein Lehrer Noten an die einzelnen Menschen verteilt. Er hoffe, dass Gott am Ende alle Seelen in den Himmel aufnehmen werde, sagte Göbel in der Auferstehungskirche Lohbrügge. Für 205 Euro hatte ein 48-jähriger Katholik aus dem Schwarzwald bei Ebay die Predigt ersteigert und die Spende auf 250 Euro erhöht. Das von ihm vorgegebene Thema lautete: „Mit einer 4- kommt man auch in den Himmel“.

Die öffentliche Internet-Auktion lief Mitte August über zehn Tage. Neun Bieter hatten insgesamt 43 Angebote gemacht, verriet Göbel im Gottesdienst. Einer habe sogar 500 Euro geboten, dies dann aber wenige Minuten später wieder zurückgezogen. Die meisten Gebote lagen bei zwei bis vier Euro. Das gespendete Geld von 250 Euro ging in die Kollekte, die für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bestimmt war.

Der Spender, der anonym bleiben will, hatte von der Versteigerung durch Zufall erfahren. Er werde wegen einer Familienfeier nicht an dem Gottesdienst teilnehmen können, hatte er im Vorwege dem epd gesagt. Das vom ihm ausgesuchte Thema drücke aus, dass der Mensch vor Gott nicht vollkommen sein müsse.

Der „Tag X“

Der Gottesdienst mit Ebay-Predigt war Teil einer neuen Reihe in der Lohbrügger Auferstehungskirche. Immer wenn es einen fünften Sonntag im Monat gibt, findet ein Gottesdienst-Experiment statt. Mit knapp 100 Besuchern war der Gottesdienst am Sonntag sehr viel besser besucht als sonst. Das nächste Experiment soll im Dezember ein Kunst-Gottesdienst sein.

Mehr als zehn Stunden habe er für die Vorbereitung der Predigt gebraucht, sagte Göbel. Das sei nicht viel mehr als sonst auch. Unter Stress habe er sich nicht gefühlt. Der sei vor Heiligabend größer. In seiner Predigt zeigte er sich überzeugt, dass es nach dem Tod einen „Tag X“ geben werde, wo der Mensch vor dem Gericht Gottes steht.

Das Leben sei aber keine „Prüfung“, so Göbel, die am Ende von Gott benotet werde. Vor seiner Güte und Gerechtigkeit könnten Menschen ohnehin nicht bestehen. Sie dürften allerdings auf seine Gnade hoffen. Der Weg zu Gott werde den Menschen durch Jesus Christus gezeigt. Sich im irdischen Leben von Gott begleitet zu fühlen, sei ein schöner Vorgeschmack für die Begegnung mit ihm in der Ewigkeit. (epd)

Info
Jonas Göbels Predigten gibt es hier zum Hören.

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