Angemerkt

Silberstreif am Horizont

Wo ist die Finsternis? Und wo bleibt das wahre Licht? Darüber schreibt Katja Bruhns, Militärpfarrerin des Militärpfarramtes II am Standort Wilhelmshaven.

Nicht so leicht gerade mit der Vorstellung, dass das Licht am Ende doch die Finsternis besiegen wird. Weder in Wilhelmshaven noch anderswo. Die Tage sind kurz, der Himmel hängt tief, das Licht ist fahl und vergeht unspektakulär schnell. Grau ist der Himmel, grau ist das Wasser, grau sind unsere Schiffe. Lediglich der Schnee macht es zeitweise besser. Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres, und vielen kommen Worte wie Neuanfang, Aufbruch, Loslegen nicht leicht über die Lippen. Wir wollen das Alte hinter uns lassen, wissen aber: das letzte Jahr mit seinen Einschränkungen und Gefährdungen, mit den vielen Zahlen, die unser Leben bestimmt haben, hält uns weiter fest. Das mit dem Silberstreif am Horizont – vielen fällt es schwer, daran zu glauben, sich auf das zu freuen, was da kommen soll. Die Dinge, unser Alltag werden kompliziert, sie werden mühsam bleiben – bis weit ins neue Jahr 2021 hinein.

Dass das Licht die Finsternis vertreibt, dass es Orientierung auf  schwierigen Wegen gibt, dass in der Dunkelheit, Armut und ­Kälte des Stalls ein Kind geboren wird, das von da an die Richtung vorgibt – das ist trotzdem ein faszinierender Gedanke. Und dass dieses Kind uns ausrichtet, wie ein Kompass uns die Richtung vorgibt – gerichtet auf Frieden, auf Versöhnung, auf die Überwindung von Ängsten, das ist und bleibt die wichtige Botschaft. Die Hirten der Weihnachtsgeschichte haben sich aufgemacht, das Kind zu sehen. Wir feiern Epipha­nias – die drei Weisen suchen den Stern, suchen die Weisheit und auch sie finden das Kind. Gemeinsam unterwegs sind sie alle und mit ihnen auch wir.


„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.“
aus 1. Johannes 2, 8b


Mir scheint die Aussage der Engel auf dem Feld von Bethlehem im Moment so wichtig wie nie zuvor: Fürchtet euch nicht! Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gehen weiter in Einsätze, bereiten sich weiter auf Seefahrten vor, werden weiter ausgebildet – auch unter schwierigen Bedingungen. Und wir als Pfarrerinnen und Pfarrer an ihrer Seite gehen mit, in ökumenischer Verbundenheit und in der Gemeinschaft der Aufgaben und Aufträge. Selten hat uns ein Ereignis über so lange Zeit so eng aneinandergebunden.

Trotz der bitteren Umstände

Wir sind gemeinsam unterwegs, ob wir wollen oder nicht. Mir tut es gut, dass die Botschaft der Weihnachts- und Epiphanias-Zeit immer schon ein trotzdem war: trotz der bitteren Umstände wird Jesus geboren, trotz der Bedrohungen von außen überlebt er, trotz unserer Einsamkeit, Missgunst und Angst ist die zentrale Botschaft Jesu die von der Liebe Gottes für seine Menschen und seine Schöpfung. Trotz allem auf den guten Ausgang hoffen und auf Gottes Hilfe vertrauen – vielleicht ist das eine der Lage angemessene Haltung.

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