Requiem für Flüchtlinge in Hamburg

Sie sterben auf dem Meer und an den Zäunen

Mit einem Requiem hat die Kirche an alle Menschen erinnert, die auf ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. Bei aller Kritik sah der EKD-Flüchtlingsbeauftragte auch Ermutigendes.

Der Berliner Bischof Christian Stäblein ist EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen

Hamburg. Mit einem Flüchtlingsrequiem haben Aktive der kirchlichen Flüchtlingsarbeit in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi der Menschen gedacht, die auf ihrer Flucht nach Europa ums Leben kamen. „Fliehende Menschen leiden und sterben an den Grenzen Europas – auf dem Meer, an den Stacheldrahtzäunen, in den Wäldern“, sagte der Flüchtlingsbischof der EKD, Christian Stäblein. Die Bilder und Berichte darüber seien selten geworden. „Denn staatliche Stellen wollen nicht, dass ihr Leid und ihr Tod im Blick ist. Es soll möglichst keine Zeugen dieser unmenschlichen Politik geben“, kritisierte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz laut einer Mitteilung der Nordkirche.

„Mut macht mir die große, unermüdliche Solidarität in unserer Gesellschaft“, so Stäblein. Ein Beispiel dafür sei das Engagement im Bündnis United4Rescue. Der Theologe verwies auf der Rettungsschiff „Sea-Watch 5“, das erst in der vergangenen Woche in Hamburg getauft worden ist. Es ist das dritte Bündnisschiff von United4Rescue. „Aus diesem gemeinsamen Handeln, aus unserer Widerständigkeit trotz allem, und den guten Nachrichten, wann immer wieder Menschenleben gerettet werden konnten, schöpfe ich Mut für die Zukunft“, sagte er.

Gegen das Sterben-Lassen

Das Flüchtlingsrequiem sei ein Protest gegen das Sterben-Lassen und ein Einsatz für die Lebenden, sagte die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, Dietlind Jochims, in ihrer Predigt. „Wir fordern ein Umdenken in der Politik.“ Europas Grenzen seien tödlich. „Wir setzen ein Zeichen gegen die Gleichgültigkeit und das Vergessen“, so Jochims. Imam Erkan Yüksekkaya von der Centrums-Moschee in Hamburg rezitierte die islamische Totenklage aus dem Koran.

Das Requiem am Datum des Volkstrauertages wird bereits seit 2007 gefeiert und von einem ökumenischen und interreligiösen Bündnis getragen. Eingeladen hatten dazu in diesem Jahr unter anderem die Nordkirchen-Flüchtlingsbeauftragte Dietlind Jochims und die Caritas im katholischen Erzbistum Hamburg. Das Thema des diesjährigen Requiems lautete „Grenzerfahrungen“. Dies ist auch der Titel einer Ausstellung der Organisation Pro Asyl, die auf 16 Plakaten zeigt, wie in der Politik der Europäischen Union die Abweisung von Flüchtlingen, die Abschottung der Außengrenzen sowie die militärischen und geopolitischen Interessen ineinandergreifen. Die Ausstellung war seit dem 30. Oktober in St. Jacobi zu sehen. (epd)

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