Ökumenische Telefonseelsorge Vorpommern feiert Jubiläum

Seit 25 Jahren ein offenes Ohr

24 Stunden, 7 Tage lang. Die Telefonseelsorge ist immer erreichbar – für jeden, der Sorgen hat. Am anderen Ende sitzen ehrenamtliche Seelsorger: in Greifswald nun seit 25 Jahren. 

von Anja Goritzka

Greifswald. Die Freiwilligen der ökumenischen Telefonseelsorge Vorpommern haben allen Grund zu feiern. Das Greifswalder Büro besteht seit einem Vierteljahrhundert. Den Anrufenden jedoch sind die Seelsorger unbekannt, auch wenn sie 24 Stunden 7 Tage pro Woche den Hörer abnehmen, wenn Hilfesuchende ihre Nummer wählen.
„Unsere Anonymität ist ein hohes Gut“, sagt die Leiterin Dagmar Simonsen. Sie ist die einzige, die in der Öffentlichkeit sichtbar wird. Selbst kam sie 2001 zur Telefonseelsorge, absolvierte eine Ausbildung als Seelsorgerin und saß am Telefon, auch in Nachtschichten.

Seit 2016 leitet sie die Greifswalder Geschäftsstelle, erstellt Dienstpläne, sorgt für Weiterbildungen und Ausbildungen neuer Ehrenamtlicher, steht für Supervisionen zur Verfügung und vertritt die ökumenische Telefonseelsorge Vorpommern in der Öffentlichkeit. „Das ist manchmal schwierig, besonders wenn wir Auszeichnungen erhalten.“ Wie 2018, als sie sich stellvertretend für die Ehrenamtlichen in das Ehrenbuch der Universitäts- und Hansestadt Greifswald eintragen durfte. „Natürlich würden die Telefonseelsorger dann gern sagen: ‚Hier bin ich mit dabei‘, aber das geht eben nicht, weil wir absolut anonym arbeiten“, meint sie.

Großes Thema Einsamkeit

Das hat einen einfachen Grund: Die Anrufer werden meist regional vermittelt an die Büros in der Nähe des Anrufers. Wenn man jemanden am Telefon erkennt oder auch im Alltag, kann es schwierig werden. Denn die Themen am Hilfetelefon sind weit gefächert: Von Sucht über Tod und Trauer bis hin zu Erziehungsproblemen, Arbeitslosigkeit und Sorgen in der Partnerschaft.

„Einsamkeit ist auch immer ein großes Thema“, erzählt Dagmar Simonsen. Dafür sind die Männer und Frauen unter der Telefonnummer 0800/111 01 11 Ansprechpartner. Neben der Telefonseelsorge bietet das Greifswalder Büro auch E-Mail- und Chatseelsorge an. „Da haben wir drei Ehrenamtliche hier vor Ort. Zusätzlich gibt es noch drei E-Mail-Seelsorger“, sagt sie. Vier Büros decken in Mecklenburg-Vorpommern den virtuellen Seelsorge­bereich mit 16 Mitarbeitern ab.

Dagmar Simonsen, Leiterin der Telefonseelsorge in Greifswald Foto: Anja Goritzka

„Bei uns gilt immer: Du bist da, du hörst zu, der Anrufende darf einfach sein, wie er ist. Wir sind wie eine große Schale.“ Aber genauso wie die Anrufenden können auch die Ehrenamtlichen sein, wie sie sind. Egal ob evangelisch, katholisch oder konfessionslos: Wer sich engagiert, findet eine besondere Gemeinschaft.

„Viele überlegen lange, ob sie sich diesen Dienst zutrauen“, berichtet die Greifswalder Leiterin: „Da sage ich immer: Telefonieren kann jeder.“ In der Ausbildung lernen sie alles weitere. Hinzu kommen monatliche Supervisionen. „Es ist ganz wichtig, dass die Seelsorger auch gut auf sich selbst schauen. Sie sind das Herzstück“, weiß die dreifache Mutter, die sich auch selbst Kraftorte sucht. Und sie nimmt regelmäßig an einer Supervision für die Leiter der Telefonseelsorge Nordost teil: „Das ist eine tolle Tankstelle.“

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