Seenotrettung im Mittelmeer

Sea-Watch 4 mit 350 Flüchtlingen erreicht Hafen von Palermo

Sie sind in Sicherheit: Die Sea-Watch 4 mit mehr als 350 Flüchtlingen an Bord, ist im Hafen von Palermo angekommen. Die Geretteten müssen nun in Quarantäne.

Von der Sea-Watch 4 steigen die geretteten Flüchtlinge auf ein Quarantäneschiff um

Frankfurt a.M./Palermo. Die Erleichterung ist groß an Bord der Sea-Watch 4: Am Mittwoch erreichten Crew und 353 Geflüchtete den Hafen der italienischen Stadt Palermo. Das bestätigte ein Sprecher der zivilen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Direkt nach der Ankunft in Palermo begann das Umsteigen auf ein Quarantäneschiff, das die italienischen Behörden bereitgestellt haben. Die italienische Küstenwache begleitete das Manöver, bei dem die Sea-Watch 4 an das größere Quarantäneschiff andockte und die Geretteten über eine behelfsmäßige Brücke das Deck verlassen konnten.

Einsatzleiter Philipp Hahn sagte dem epd an Bord der Sea-Watch 4, die Besatzung sei froh, dass die Geretteten im sicheren Hafen angekommen seien. „Wir sind auch deshalb froh, weil wir wissen, dass zur selben Zeit noch 27 Menschen auf dem Tanker ‚Etienne‘ ausharren“, sagte er. Das Schiff hatte die Flüchtlinge am 4. August aus Seenot gerettet und wartet seitdem auf einen Hafen.

„Großartiges Ergebnis“

Der Grünen-EU-Politiker Sven Giegold nannte die Rettung der 353 Menschen „ein großartiges Ergebnis nach nur wenigen Tagen im Einsatz für das ‚Kirchenschiff'“. Zwei Wochen lang sollen die Flüchtlinge an Bord des Quarantäneschiffs bleiben, bevor sie an Land dürfen. Es brauche nun schnelle Zusagen aus Deutschland und anderen EU-Mitgliedsländern, die Geretteten nach ihrer Quarantäne in Italien aufzunehmen. Italien dürfe mit den geretteten Flüchtlingen nicht allein gelassen werden, erklärte er. Giegold hatte im vergangenen Jahr auf dem Kirchentag in Dortmund die Resolution „Wir schicken ein Schiff“ initiiert, die letztlich zur Anschaffung der Sea-Watch 4 aus überwiegend kirchlichen Spenden führte.

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Die Sea-Watch 4 war Mitte August zu ihrer ersten Mission im zentralen Mittelmeer aufgebrochen. Das ehemalige Forschungsschiff wurde im Januar für 1,3 Millionen Euro erworben. Es wird von Sea-Watch und Ärzte ohne Grenzen im Auftrag des zivilen Bündnisses United4Rescue betrieben. Dem Bündnis gehören mittlerweile mehr als 550 Organisationen und Unternehmen an. Es wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründet.

Zu Palermo hat United4Rescue einen besonderen Bezug: Der Bürgermeister Leoluca Orlando unterstützt das Bündnis. Er ist für sein Engagement in der Flüchtlingspolitik bekannt. Im vergangenen Jahr machte er den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zum Ehrenbürger der Stadt. Dass die Sea-Watch 4 dort einfahren durfte, ist laut Sea-Watch jedoch Zufall.


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Bedford-Strohm betonte am Mittwoch in einem Facebook-Eintrag die Dringlichkeit der zivilen Seenotrettung. Er nahm Bezug auf den Tod des syrischen Jungen Alan Kurdi, der am 2. September 2015 tot an einem türkischen Strand gefunden worden war. „Wer besser verstehen will, warum wir die zivile Seenotrettung so aktiv unterstützen, muss sich noch mal der Härte eines Bildes aussetzen, das heute genau vor fünf Jahren an einem türkischen Strand entstanden ist und das um die Welt gegangen ist“, betonte der bayerische Landesbischof. Das Foto zeigt den toten Jungen, bekleidet mit rotem T-Shirt und blauen Shorts, auf dem Bauch liegend am Strand. „Mir – Opa eines kleinen Jungen – treibt es immer noch die Tränen in die Augen“, schrieb Bedford-Strohm.

Die geretteten Flüchtlinge steigen auf das Quarantäneschiff um Foto: Thomas Lohnes / epd

Die Staaten Europas retteten weiterhin nicht, erklärte er. „Die zivilen Seenotretter tun es. Sie warten nicht darauf, dass es gute Lösungen für die flüchtlingspolitischen Probleme gibt.“ Leben retten könne nicht bis zu diesem Zeitpunkt verschoben werden. Deshalb sei er auch für die jüngsten Rettungsaktionen der Sea-Watch 4 dankbar. (epd)

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