Scorsese hat noch immer die Stimme seines Jugendpfarrers im Kopf

Martin Scorsese (80), Filmlegende, hört immer noch die Stimme von Father Principe in seinem Kopf, der ihn zu seinen Messdienerzeiten geprägt hat. Als er jung gewesen sei, habe er lange gedacht, dass die Vorstellung eines Heiligen völlig irreal sei, sagte der Regisseur der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). Denn kein menschliches Wesen mit all seinen Fehlern könne diesem Ideal je nahekommen. Doch der Priester habe ihm klargemacht: „Wahres Mitgefühl erwächst aus der realen menschlichen Natur.“

Father Principe sei immer davon überzeugt gewesen, dass auch ein Mann, der sich schuldig mache, Mitgefühl und Verständnis verdient habe, sagte Scorsese. Das gelte genauso für den von Leonardo DiCaprio verkörperten Mörder Ernest in seinem aktuellen Film „Killers of the Flower Moon“. Selbst ein solcher Mann verdiene Mitgefühl und Verständnis. Menschen, die Spiritualität für sich in Anspruch nähmen, sollten in der Lage sein, die Menschlichkeit in einem Mann wie Ernest zu sehen.