Gottorfer Globus wird virtuell

Schleswig-Holsteins Landesmuseen starten Digitaloffensive

Besucher sollen unter anderem den begehbaren Gottorfer Globus von zuhause aus erkunden können. Die Initiatoren hoffen damit auf deutliche Zuwächse.

Der Gottorfer Globus – ganz real

Kiel. Die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen wollen künftig über mehr digitale Angebote Lust auf Ausstellungsbesuche machen. Zum Auftakt der Digitaloffensive stellte Stiftungsgeschäftsführer Guido Wendt  in Kiel zwei virtuelle Rundgänge vor. So können Internetnutzer den begehbaren Globus erkunden, der sich seit 2005 im Garten von Schloss Gottorf in Schleswig dreht. Der zweite virtuelle Rundgang führt durch die Sonderausstellung „Gerettet, aber nicht befreit“ im Jüdischen Museum Rendsburg. Die kostenlosen Angebote sollten nicht den Museumsbesuch ersetzen, so Wendt, sondern das Interesse für die Exponate wecken. Das Pilotprojekt soll beispielhaft sein für andere Museen im Land.

Besucher können sich bereits vor der realen Fahrt im Gottorfer Globus virtuell ein Bild von dem ersten Planetarium der Welt machen. Der Nachbau des Originals von 1640 zieht jährlich 12.000 Besucher an. Neben der virtuellen Fahrt im Globus mit seinen aufwendigen Malereien ergänzen kleine Erklärvideos den Rundgang am PC oder Smartphone. Von der Dachterrasse des Globus kann der Internet-Nutzer auch auf den Barockgarten gucken. Das Land förderte die 150.000 Euro teure digitale Anwendung mit 120.000 Euro.

Der Gottorfer Globus von Innen Foto: Marcus Dewanger / Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen

Vorläufer des Projekts ist ein sechsminütiger 3D-Film über die Entstehungsgeschichte des Globus, der seit 2019 auf Schloss Gottorf gezeigt wird. „Allein dieses Angebot hat im vergangenen Jahr zu einem Besucherplus von 20 Prozent geführt“, sagte Museumssprecher Frank Zarp. Mit dem neuen virtuellen Rundgang hoffen die Initiatoren nun auf weitere Besucherzuwächse.

Der dreidimensionale Rundgang durch die Ausstellung im Jüdischen Museum fällt technisch deutlich bescheidener aus, erfüllt aber seinen Zweck. Der Internetnutzer kann sich durch die Ausstellungsräume klicken, Texttafeln heranzoomen und die Exponate ansehen, die von den Schicksalen der Holocaust-Überlebenden in Schleswig-Holstein erzählen. Vor dem Corona-Shutdown war eine große Kampagne mit Schulen geplant. Nun können die Schüler sich die Ausstellung zumindest im Internet ansehen.

Erst der Anfang

Die Digitaloffensive sei lange vor der Corona-Krise geplant gewesen, so Wendt. Obwohl bei Museen der Besuch vor Ort im Mittelpunkt stehe, werde die Digitalisierung in Kunst und Kultur immer wichtiger. „Inzwischen haben Museen viel mehr Konkurrenz im Freizeitbereich“, sagte Wendt. „Die Besucher haben andere Erwartungen als früher.“

Für die Verantwortlichen sind die beiden virtuellen Rundgänge nur ein Anfang. In der Planung sind eine digitale Ticketreservierung für das Wikinger Museum Haithabu bei Schleswig, eine digitale Zeitmaschine über die Entstehungsgeschichte von Schloss Gottorf und Podcasts über die neue Dauerausstellung im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel. Digitale Angebote seien eine gute Investition, um die „Schätze in Schleswig-Holstein“ sichtbar zu machen, sagte der Chef der Staatskanzlei, Dirk Schrödter. (epd)

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