Menschen in der Bundeswehr

Schlaglichter

Das Jahr 2021 war reich an Eindrücken und Einsichten. Militärpfarrer Dirk Brandt beschreibt drei davon.

Die Militärpfarrer Martin Roth (l.) und Dirk Brandt segnen Menschen in der Bundeswehr – anlässlich einer Freiluftandacht in Oldenburg in der Adventszeit des Jahres 2021

Oldenburg. Ein Soldat, den ich kenne, leidet an den Folgen seiner Traumatisierung. Er war in der Marine eingesetzt. Im Mittelmeer hat er beim Bergen von schiffbrüchigen Flüchtlingen mitgeholfen. Das furchtbare Leid, das er dabei erlebt hat, verursacht ihm noch immer eine massive Angststörung. Er meidet Menschen.

Schlimm ist es im Sommer für ihn, weil schon die Wärme seine traumatisierenden Erinnerungen wachruft. Weil er erwerbsunfähig geworden war, ist er Jahre nach seinem Dienstende als Zeitsoldat aufgrund seiner Wehrdienstbeschädigung wieder in die Bundeswehr aufgenommen worden. Es ist immer angenehm, mit ihm zu sprechen, weil er ein aufgeschlossener, verbindlicher und freundlicher Mensch ist.

Absprachen klappen

Soldaten haben mir von ihrem Hilfseinsatz nach der Flut im Ahrtal erzählt. Ich war fasziniert, als sie berichteten, wie sich die Helfer:innen auf der Arbeitsebene organisiert haben. Die Praktiker, die die Arbeit tun, sprechen sich untereinander ab, und das funktioniert. Auch sie, die Kameraden, haben sich flexibel eingepasst und ihre Hilfe effizient umsetzen können. Die Bundeswehr, so sagen sie, ist darin sogar besser als andere Organisationen, wo die Zusammenarbeit manchmal beim nächsten Bezirkskommando aufhört. Aber auch sie haben – sehr selten – erlebt, wie Offiziere gelegentlich doch formale Ansprüche gestellt haben. Das hat die Arbeit empfindlich gestört und passt nicht zum Einsatzmodus, in dem die Sache und nicht die Hierarchie den Ton angibt.

Oberst Dr. Bauersachs war Protokollchef im Verteidigungsministerium, hat etwa die großen Zapfenstreiche bei Verabschiedungen organisiert, und er war Kommandeur des Kampfhubschrauberregiments in Fritzlar, als 2017 zwei Piloten in Mali bei einem tragischen Absturz mit ihrem Tiger-Hubschrauber ums Leben kamen. Beides trägt zu seinem Interesse an unseren Andachten bei, die er jetzt als stellvertretender Kommandeur der 1. Panzerdivision am Standort Oldenburg besucht. Generell scheint mir, dass es Schnittmengen gibt in der Haltung und Kommunikation, die Soldaten in Führungspositionen und wir, mein katholischer Amtsbruder und ich, als Pfarrer einnehmen und betreiben. Auch, was viele Führungskräfte auf den unteren Ebenen an alltäglicher „Seelsorge“ leisten, finde ich hoch beachtlich.

Im Atem des heiligen Geistes

Umso wichtiger, dass wir uns darüber austauschen. Denn alle „Seelsorger“ betrifft die Grenze, an der die Sorge für die Seelen unsere Kräfte übersteigt, wo wir uns in ein unverfügbares Offenes hinein engagieren. „Living on a prayer“ heißt das in einem Lied von Bon Jovi. Ich nenne es Leben im Atem des heiligen Geistes. Andere, die etwas Ähnliches meinen, würden es vielleicht anders und möglicherweise gar nicht ausdrücklich religiös benennen. Nur: Verkennen und überspringen sollen wir diese Grenze nicht, denn sonst würden wir beginnen, uns zu überfordern oder zu überheben.

Doch vorher findet noch der feierliche Einführungsgottesdienst durch den Militärbischof Bernhard Felmberg in der Stadtkirche in Bückeburg statt.

Unser Autor
Dirk Brandt ist Militärpfarrer in Oldenburg, Delmenhorst und Quakenbrück.

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