Digitales gefragt

Regionalbischof: Corona verändert Kirche dauerhaft

Auch wenn Gottesdienste in der Pandemie ausgefallen sind: Corona kann auch einen positiven Effekt haben, sagt der Lüneburger Regionalbischof Schaede – und verweist auf digitale Formate.

So sieht ein Abendmahl während einer Pandemie aus

Lüneburg. Die Pandemie mit ihren Einschränkungen der vergangenen Jahre wird nach Ansicht des Lüneburger Regionalbischofs Stephan Schaede die evangelische Kirche dauerhaft verändern. „Das kann durchaus positiv sein“, sagte er anlässlich des Generalkonventes des Kirchensprengels Lüneburg. Zu dem Jahrestreffen waren knapp 200 Pastorinnen und Pastoren in der Leuphana-Universität Lüneburg und anschließend in der zentralen St. Johanniskirche zusammengekommen.

„Wir erreichen mit digitalen Formaten Menschen, die nicht die Kirchenschwelle überschreiten oder Gemeindehäuser betreten würden“, erläuterte Schaede. Weil während der Kontakteinschränkungen in der Pandemie auch vielfach keine Präsenzgottesdienste stattfanden, hatten die Kirchen zahlreiche digitale Formate entwickelt. „Viele davon sind nach wie vor gefragt“, sagte der Regionalbischof.

Starke Ort der Stadtgesellschaft

Für die Zukunft gelte es zu überlegen, welche Angebote und Formate der Kirche die Menschen am besten in Präsenz und welche am besten digital erreichten, sagte Schaede bei der Veranstaltung mit dem Titel „Raumüberschreitungen und Raumgrenzen. Wie lebt und arbeitet es sich präsentisch und digital“. „Die Kirchenräume sind extrem starke Orte in der Stadtgesellschaft“, betonte er.

Stephan Schaede Foto: Jens Schulze / epd

Schaede regte an, bei Gottesdiensten auch die Vorplätze der Kirchen noch stärker zu nutzen und zum Beispiel nach einem Auftakt dort in der Kirche weiterzufeiern. Das könnte Menschen mitziehen, die „die Kirchenräume als neuen Ort entdecken könnten“. Er berichtete von Plänen, gemeinsam mit „Kirche im Tourismus“ Kirchräume für Passanten auch per Handy-App mit Lesegerät am Eingang zu öffnen und zugänglich zu machen.

Neue Formate erschlossen

Das Digitale sei für ihn kein Allheilmittel, sagte Schaede. Zudem würden neue digitale Angebote der Kirche auch neue Fragen aufwerfen. Christliche „Sinnfluencer“, darunter Pastoren und Pastorinnen, von denen einige mit Teilzeitstellen angestellt seien, erreichten zigtausende Follower und damit deutlich mehr als manche Bischöfin, erläuterte er. „Das führt zu anderen Einfluss-Sphären, auch innerhalb der Kirche.“

Universitätspräsident Sascha Spoun berichtete, die Leuphana habe in der Pandemie schnell digitale Formate erschlossen. „Wir waren auch genauso leidenschaftlich für Präsenz“, sagte er. So habe es schon 2020 und 2021 Semester-Startwochen in eingeschränkter Präsenz gegeben. Aufgabe des Universitätsbetriebes in Präsenz sei es, einen Erfahrungsraum zu bieten. Gleiches gelte für Kirchengebäude. „Als Erfahrungsräume sind die Kirchräume spezifisch.“ (epd)

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