Wahlsynode tagt am Donnerstag

Reformierte Kirche sucht eine Kirchenpräsidentin

Zwei Frauen bewerben sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Martin Heimbucher. Und am Ende könnte sogar das Los entscheiden.

Sabine Dressler (li.) aus Braunschweig und Susanne Bei der Wieden aus Frankfurt wollen Kirchenpräsidentin werden

Leer/Emden. Die Evangelisch-reformierte Kirche wählt am kommenden Donnerstag, 4. März, ihre erste Kirchenpräsidentin. Die Synode muss zwischen Sabine Dreßler aus Braunschweig und Susanne Bei der Wieden aus Frankfurt/Main entscheiden. Die beiden Theologinnen wurden vom kirchenleitenden Gremium Moderamen vorgeschlagen. Aufgrund der Corona-Pandemie tagt die Wahlsynode digital. Die beiden Kandidatinnen werden die Wahl zusammen mit dem Moderamen in der Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek verfolgen, dem traditionellen Tagungsort der reformierten Synode.

Die Wahl ist nötig, weil der 2013 gewählte Amtsinhaber Martin Heimbucher (65) Ende Juli in den Ruhestand treten wird. Es ist nicht das erste Mal, dass Frauen für das Amt der Kirchenpräsidentin kandidieren. Bereits 2003 traten zur Wahl gleich zwei Kandidatinnen und zwei Kandidaten an. Unter ihnen war auch Sabine Dreßler, die damals kurzfristig aus der Mitte der Synode nominiert wurde. Damals wurde Jann Schmidt gewählt, der als erster den Titel Kirchenpräsident führte. Zuvor hießen die leitenden Theologen in der reformierten Kirche Landessuperintendenten. Weil das Moderamen diesmal zwei Pastorinnen nominierte, wird künftig erstmals eine Frau an der Spitze der Evangelisch-reformierten Kirche stehen.

Erfahren in der Gemeindearbeit

Die beiden Kandidatinnen verfügen über große Erfahrung in der Gemeindearbeit und der Gremienarbeit. Susanne Bei der Wieden (54) ist seit 2003 Pfarrerin der evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/Main. In der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau nimmt sie das Amt der stellvertretenden Synodenpräses wahr. Von 1999 bis 2003 lehrte sie am Reformierten Seminar für pastorale Aus- und Fortbildung in Wuppertal.

Sabine Dreßler (58) ist seit 2017 Referentin für Menschenrechte, Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover. Zuvor war sie Theologische Referentin für Reformierte Ökumene beim Reformierten Bund in der EKD. Von 1993 bis 2013 war sie Pastorin der Evangelisch-reformierten Gemeinde Braunschweig.

Die Kirchenpräsidentin steht an der Spitze der Evangelisch-reformierten Kirche und vertritt sie in der Öffentlichkeit. Als Chefin des Landeskirchenamtes im ostfriesischen Leer ist sie die Vorgesetzte aller Mitarbeiter und Kirchenbeamten. Die Amtszeit beträgt zwölf Jahre.

Bei Patt entscheidet das Los

Gewählt ist laut der reformierten Kirchenverfassung die Kandidatin, die im ersten Wahlgang die Mehrheit der 61 stimmberechtigten Mitglieder der Gesamtsynode hinter sich vereinen kann. Das sind 31 Stimmen. Wird im ersten Wahlgang diese Mehrheit nicht erreicht, entscheidet im zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit der Stimmen. Sollte es dabei zu einer Stimmengleichheit kommen, entscheidet das Los.

Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz im ostfriesischen Leer zählt zu den kleineren Landeskirchen in der EKD. Anders als die anderen Landeskirchen verfügt sie nicht über ein klar abgegrenztes Territorium. Ihre 143 Kirchengemeinden mit zusammen rund 168.500 Mitgliedern sind verstreut zwischen Ostfriesland und dem Allgäu. (epd)

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